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„Liest die KI unsere Pressemitteilungen überhaupt?" — im Schnitt nach acht Stunden kam das erste Zitat

POINT Kernpunkte
  • Gut strukturierte Inhalte holten 2,6-mal so viele KI-Zitate
  • Über 8.000 Meldungen aus einer Woche im Mai 2026 verfolgt

„Meldung ist raus. Und jetzt schauen wir mal, ob’s jemanden interessiert”

„Die Clippings sehen aus wie im Vorquartal.” Diesen Satz hört man in fast jedem PR-Review.

Journalisten melden sich eben nicht. Die Zahl der Veröffentlichungen bewegt sich kaum.

Und irgendwann wird das Rausschicken selbst zum Zweck. Ungefähr so wie beim Weihnachtskarten-Schreiben.

Das geht gerade vielen in der Kommunikation so. Die Pressemitteilung ist halt der Teil des Jobs, bei dem nichts zurückkommt.

Das Ding ist: Am anderen Ende dieses Schweigens sitzen längst nicht mehr nur Journalisten. Bescheid gesagt hat uns keiner.

Über 8.000 Meldungen wurden nach dem Versand weiterverfolgt, und das erste KI-Zitat kam im Schnitt nach acht Stunden. Schauen wir uns das mal an.

Wie lange braucht eine KI, bis sie eine Pressemitteilung zitiert?

Die Antwort ist unangenehm konkret — sie stammt allerdings aus einer Messung, bei der man im Hinterkopf behalten sollte, wer da gemessen hat.

Die Zahlen stammen aus einer Untersuchung von Notified, veröffentlicht am 9. Juli 2026.

Notified betreibt GlobeNewswire, einen . Heißt im Kern: der kostenpflichtige Kanal, der deine Meldung auf einen Schlag an Redaktionen und Datenbanken verteilt. Sprich: Gemessen hat hier das Unternehmen, das den Versand selbst verkauft.

Die Stichprobe sind über 8.000 Meldungen, die in einer Woche im Mai 2026 über GlobeNewswire liefen. Lokale, nationale und globale Verteilerkreise, Produktankündigungen genauso wie Geschäftszahlen. Gezählt wurden die Zitate zusammen mit Profound, einem Anbieter von Analysen rund um generative KI.

Und was kam raus?

  • durchschnittliche Zeit bis zum ersten KI-Zitat: 8 Stunden
  • der Großteil der Zitate fällt in die ersten 24 Stunden

Im SEO — der Optimierung für die Google-Trefferliste — kennt man das anders. Da braucht eine neue Seite Wochen oder Monate, bis überhaupt etwas ankommt. Bei der KI passiert das noch am selben Tag.

Zwischen „wir haben was gemacht” und „wir sehen, ob’s gewirkt hat” liegen plötzlich Stunden statt Monate. Für die Kommunikationsarbeit ist das ein größerer Unterschied, als es klingt.

Wenn fast alles zitiert wird, geht es nur noch darum, wie oft

Dieselbe Untersuchung liefert eine deutlich plakativere Zahl: 99,3 % der analysierten Meldungen wurden von ChatGPT oder Claude zitiert.

Die würde ich so aber lieber nicht mit ins Meeting nehmen, denn sie hat gleich drei Haken.

  • Notified verkauft den Versand, hat also ein handfestes Interesse am Fazit „Meldungen werden zitiert”
  • gemessen wurde nur, was durch den eigenen Verteiler lief — es fehlt die Gegenprobe: dieselbe Meldung ohne Versand, damit man den Unterschied überhaupt sehen könnte
  • wie ein „Zitat” überhaupt gezählt wird, steht nirgends

Heißt: „ab in den Verteiler, dann bist du zu 99,3 % zitiert” lässt sich aus dieser Studie allein nicht ableiten.

Dreh die Zahl mal um, dann wird sie doch brauchbar. Wenn fast alles irgendwann zitiert wird, ist „werden wir zitiert?” nicht mehr die interessante Frage.

Übrig bleibt: wie oft. Und das ist ein anderes Spiel mit einem anderen Hebel.

Struktur brachte 2,6-mal so viele Zitate

Der Hebel, auf den die Untersuchung zeigt, ist die Struktur. Gut strukturierte Inhalte bekamen im Schnitt 2,6-mal so viele Zitate.

Struktur meint hier nichts Kompliziertes: Stehen Fakten, Eigennamen und Kontext so da, dass ein Modell sie schnell rausziehen kann — oder liegen sie im dritten Stimmungsabsatz begraben?

Es gibt noch eine zweite Zahl in dieselbe Richtung. Inhalte auf der eigenen Website, zu denen es eine begleitende Pressemitteilung gab, hatten in den ersten 30 Tagen eine doppelt so hohe Chance, zitiert zu werden.

Ein Beispiel nennt die Untersuchung auch. Eine Meldung zu den Geschäftszahlen der American Battery Technology Company holte in 30 Tagen über 1.600 KI-Zitate. Mehr als Wettbewerber aus derselben Branche — und mehr als deutlich größere, landesweit tätige Ketten.

Den Unterschied machte also nicht die Unternehmensgröße. Wohl eher die Form der Meldung.

Drei der vier SOAR-Signale decken sich mit ganz anderen Daten

Notified hat zusammen mit PRWeek noch einen Report veröffentlicht: über 250.000 Meldungen und rund 250 Millionen KI-Zitate ausgewertet. Daraus stammt SOAR — das Vier-Signale-Raster der beiden, das erklärt, warum eine KI die eine Quelle nimmt und die andere nicht.

  • S (Structure, Struktur): findet die KI Fakten und Eigennamen schnell?
  • O (Originality, Originalität): gibt es eigene Daten, eigene Erhebungen, echte menschliche Expertise?
  • A (Authority, Autorität): ist der Absender als Quelle glaubwürdig?
  • R (Recency, Aktualität): wird der Inhalt aktualisiert und neu verteilt, bleibt er also frisch?

Von einem Verteiler-Anbieter würde ich das für sich genommen eher unter Marketing ablegen. Nur: Drei der vier Signale decken sich tatsächlich mit Daten von Leuten, die nichts am Versand verdienen.

Zur Originalität: eigene Erhebungen sind mit 82 % die meistzitierte Inhaltsart. Zur Struktur: Quellen und Zahlen dazuzupacken verschiebt die Zitate um rund 40 %. Zur Aktualität: 65 % dessen, was die KI zitiert, ist aus dem letzten Jahr.

Verschiedene Interessenlagen, verschiedene Zugänge, dieselbe Richtung. Das nehme ich als Bestätigung — auch wenn ich den Zahlen des Herausgebers allein nicht trauen würde.

Schreib die nächste Meldung für einen Leser, der Fakten rauszieht

Die 99,3 % sind eine Obergrenze, und sie kommen von einem Anbieter, der am Ergebnis verdient. Diese Zahl muss nicht die Hauptrolle spielen.

Mitnehmen würde ich stattdessen die acht Stunden und den Faktor 2,6. Das eine heißt: Das Ergebnis siehst du morgen, nicht nächstes Quartal. Das andere heißt: Dieselbe Ankündigung kommt unterschiedlich an, je nachdem, wie sie geschrieben ist. Und beides hast du selbst in der Hand, was bei diesem Thema schon viel ist.

Bleibt die Frage, was davon am Montag auf dem Tisch liegt. Zwei Handgriffe.

Erstens: die nächste Meldung so schreiben, dass sich Fakten rausziehen lassen — mindestens eine eigene Zahl drin, Fakten, Eigennamen und Datumsangaben an den Anfang der Absätze. Ein Absatz Stimmung weniger, ein Absatz Substanz mehr. Das ist die Richtung, in die der Faktor 2,6 zeigt.

Zweitens: nachzählen. Frag die Modelle 24 Stunden nach dem Versand ab und noch mal nach 30 Tagen, beide Male mit denselben Fragen. Ob deine Ankündigung aufgegriffen wurde, weißt du sonst schlicht nicht.

Die Acht-Stunden-Zahl stammt aus einer einzigen Woche im Mai, darauf würde ich also keine Strategie bauen. Aber die Pressemitteilung ist eine der wenigen Bühnen, deren Inhalt du zu 100 % selbst bestimmst, und du veröffentlichst sie ja ohnehin jeden Monat — das Experiment kostet dich eine einzige Ankündigung.


Quellen

  • Notified, „More Than 99% of GlobeNewswire Press Releases Are Cited by ChatGPT or Claude, New Study Finds”, 9. Juli 2026, globenewswire.com (Über 8.000 Pressemitteilungen, die in einer Woche im Mai 2026 über GlobeNewswire verteilt wurden; die Zitate wurden gemeinsam mit dem Analyseanbieter für generative KI, Profound, gemessen. Umfasst lokale, nationale und globale Verteilerkreise sowie Produktankündigungen, Geschäftszahlen und sonstige Meldungen. 99,3 % der analysierten Meldungen wurden von ChatGPT oder Claude zitiert; die durchschnittliche Zeit bis zum ersten Zitat lag bei 8 Stunden, der Großteil der Zitate fiel in die ersten 24 Stunden. Gut strukturierte Inhalte erhielten im Schnitt 2,6-mal so viele Zitate, und Inhalte auf der eigenen Website, zu denen es eine begleitende Pressemitteilung gab, hatten in den ersten 30 Tagen eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, zitiert zu werden. Als Beispiel erzielte eine Zahlenmeldung der American Battery Technology Company in 30 Tagen über 1.600 KI-Zitate. Vorbehalte: Herausgeber Notified ist Anbieter von Presseverteiler-Diensten und hat ein kommerzielles Interesse an diesem Fazit; gemessen wurde ausschließlich Material aus dem eigenen Verteiler, ohne Vergleichsgruppe nicht verteilter Inhalte; das Verfahren, nach dem ein „Zitat” gezählt wird, ist nicht offengelegt, die Zahlen sind daher als Obergrenzen zu behandeln.)
  • Notified / PRWeek, „AI Is Your Audience: Making Your Content Soar”, 22. Juli 2026, globenewswire.com (Auswertung von über 250.000 Pressemitteilungen und rund 250 Millionen KI-Zitaten; daraus abgeleitet das SOAR-Raster mit vier Signalen, nach denen KI ihre Quellen auswählt: Structure (Struktur), Originality (Originalität), Authority (Autorität) und Recency (Aktualität).)
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