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Gemini nennt deinen Markennamen, ChatGPT führt dich als Quelle. Zähl beides getrennt

POINT Kernpunkte
  • „Zählt die Kurve Nennungen oder Quellen?“: die Frage bremst das Meeting
  • 83,7 Prozent der Fälle bei Gemini, 20,7 Prozent bei ChatGPT

„Sind das jetzt die Nennungen oder die Quellen?“

Die Frage kam vom anderen Ende des Tisches, während meine Folie zur KI-Sichtbarkeit noch an der Wand hing.

Die Kurve hatte ich ja selbst gebaut. Und antworten konnte ich nicht.

So ging es offenbar den meisten am Tisch — kein Kopfnicken, nur eine Stille, bis wer nachfragte. Die Linie steigt, du erzählst, dass sie steigt, und gefragt hat eben nie jemand, was sie eigentlich misst.

Ein Zitat und eine Nennung sind zwei verschiedene Ereignisse. Zeichnest du beide als eine Linie, zielt die Arbeit im nächsten Quartal halt auf die Hälfte, die du zufällig gemessen hast.

Im Juni 2026 ist eine Untersuchung erschienen, die 3.981 Auftritte einzeln sortiert hat — über vier KI-Plattformen und 115 Fragen hinweg. Die zwei Hälften laufen überhaupt nicht parallel.

Was ist der Unterschied zwischen zitiert werden und genannt werden?

Zitiert werden heißt: Die KI führt deine Seite oder deine Domain in der Quellenliste. Genannt werden heißt: Dein Markenname steht in den Sätzen, die der Leser tatsächlich liest — und 62 Prozent der Zitate kommen dort nie an.

Die Trennung ist also ganz konkret. Dein Link liegt unter der Antwort, und die Antwort spricht über deine Kategorie, ohne zu sagen, wer du bist. Kevin Indig, der an der Studie mitgearbeitet hat, nennt das eine Geisterzitation. Der Koautor, der nur im Literaturverzeichnis vorkommt.

Welche Hälfte zählt denn nun mehr? Die, die gelesen wird. Die Quellenliste unter der Antwort klappt kaum jemand auf, und wer nur Zitate zählt, misst eben den Teil der Seite, auf den am wenigsten geschaut wird.

  • Zitat: Die KI hat deine Seite oder Domain in die Quellenliste gesetzt.
  • Nennung: Dein Name steht im Antworttext, dort, wo das Auge hinwandert.

Beides ist ja etwas wert.

Nur sind es eben zwei Zahlen, und eine einzelne Linie kann immer nur eine davon sein.

ChatGPT und Gemini haben die Hälften vertauscht

ChatGPT ist großzügig mit Quellen und geizig mit Namen: Zitate erzeugt es in 87 Prozent der Auftritte, den Markennamen bringt es aber nur in 20,7 Prozent in den Text.

Bei Gemini läuft es genau andersherum. Der Name steht in 83,7 Prozent der Auftritte im Text, ein Zitat entsteht in 21,4 Prozent. Google AI Mode nennt Marken ungefähr doppelt so oft wie ChatGPT.

Heißt, welche KI du aufmachst, entscheidet, was du siehst. Du schaust mal bei ChatGPT nach, findest nichts, schließt daraus, dass die Modelle dich nicht kennen — und übersiehst dabei ausgerechnet die KI, die deinen Namen die ganze Zeit ausspricht.

Die Studie hat zusätzlich dieselbe Frage mit derselben Domain über die Plattformen hinweg gekreuzt: 454 Paare. Bei 100 davon waren die Plattformen uneins, eine nannte die Marke, die andere nicht. Das sind 22 Prozent.

Mehr als jedes fünfte Paar geht bei identischer Eingabe auseinander.

Mit dieser Zahl auf dem Tisch lässt sich das Ergebnis einer einzelnen KI schwer als Gesamtbild verkaufen.

Wo bleibt Spielraum, öfter genannt zu werden?

Dieselbe Untersuchung hat zwei Dinge gemessen, die auf deiner Seite liegen und nicht beim Modell. Vergleichsinhalte — Duelle, „X oder Y“, Listen mit Urteil — brachten 2,4-mal so viele Markennennungen wie rein informierende Inhalte.

Dazu kommt die Form der Frage: Zwischen kurzen und langen Suchanfragen liegt bei der Nennungsrate ein Faktor von 30 bis 50.

Eine Suchanfrage ist schlicht das, was der Leser in den Assistenten tippt. Frag kurz und im Plauderton — „Soll ich den Firmenwagen leasen oder kaufen?“ —, und fast jedes Mal fällt ein Markenname. Pack dieselbe Frage mit Kontext, Bedingungen und Anweisungen voll, und die Nennungsrate rutscht auf 2 bis 3 Prozent. Der lange, durchstrukturierte Prompt ist genau die Stelle, an der Quellen ohne Namen ankommen.

Daraus folgen zwei Handgriffe, und keiner davon ist ein Relaunch:

  • Schreib einen echten Vergleich, mit einem Urteil darin.
  • Formuliere die Zwischenüberschriften in der kurzen, gesprochenen Form, die deine Käufer wirklich eintippen — und schau nach, ob dein Name bei dieser Form überhaupt fällt.

Ich habe mit dem Vergleich angefangen. Denn die andere Seite ist zäh: Öfter zitiert zu werden heißt meistens, dass jemand über dich schreibt, der nicht du ist — Presse, Testportale, ein Dritter mit einem Grund zu verlinken —, und das läuft in fremden Kalendern. Wer die Zitatseite als Anteil statt als nackte Anzahl messen will: der Citation Share von Bing ist der sauberste Nenner, den bisher jemand veröffentlicht hat.

Wie weit trägt dieses 62-Prozent-Ergebnis?

Die Studie kommt von Semrush, und Semrush verkauft nun mal Messung von KI-Sichtbarkeit. „Nennungen und Zitate muss man getrennt messen“ ist ein Fazit, das dem eigenen Produkt gut bekommt — das gehört beim Lesen mit auf den Tisch.

Die Stichprobe: 115 Fragen und 3.981 Domain-Auftritte aus 14 Ländern. Dieselbe Firma veröffentlicht separat einen Index über 126 Millionen Fragen. Das hier ist nicht dieser Index, sondern der bei Weitem kleinere von beiden.

Wann die Daten erhoben wurden, steht im Artikel nicht. Das wiegt hier schwerer als sonst, denn das Verhalten der KI-Suche schreibt sich alle paar Monate neu, und eine Momentaufnahme ohne Datum bildet womöglich eine Maschine ab, die es so gar nicht mehr gibt.

Unabhängig nachgerechnet hat es niemand. Auf Japanisch oder in einer Sprache außerhalb dieser 14 Länder ebenso wenig. Und eine zweite Lesart bleibt offen: Der Unterschied zwischen ChatGPT und Gemini könnte eine Frage der Oberfläche sein — ob das Produkt Quell-Links überhaupt anzeigt — und keine Frage, wie die Modelle über Marken schreiben. Die Studie trennt Anzeige und Textgenerierung nicht, also lässt sich diese Lesart nicht wegwischen.

Taugt das 62-Prozent-Ergebnis also überhaupt etwas? Als Konstante für deine Prognose eher nicht. Die Struktur darunter ist eine andere Sache: „Zitate und Nennungen bewegen sich unabhängig, und die Richtung dreht sich je nach KI“ lässt sich heute Nachmittag an deinen eigenen Daten prüfen, ganz ohne geliehene Zahl.

Zwei Spalten im Bericht, eine Zeile pro KI

Morgen früh liegt die Sichtbarkeitstabelle ja sowieso offen. Teil die Zählung in zwei Spalten: wie oft der Name in der Antwort stand und wie oft die Domain in den Quellen. Darunter je eine Zeile für ChatGPT, Google AI Overviews, Gemini und Google AI Mode.

Zahlen, die du bisher zusammengerechnet hast, landen dann in verschiedenen Zellen. Ein paar davon werden sich weigern, überhaupt irgendwo zu landen, bis du nachschaust, was du da eigentlich gezählt hast. Genau diese Weigerung ist der nützliche Teil.

Sind die zwei erst getrennt, wählt sich der nächste Schritt von allein. Quellen da, Name fehlt: Das ist ein Nennungsproblem, und der Hebel heißt Vergleichsinhalt. Weder Quelle noch Name: Dann liegt der Hebel außer Haus, bei jemandem, der über dich schreibt.

Eine Tabelle, die zugibt, dass sie es nicht weiß, ist mir doch lieber als eine Linie, die still zwei verschiedene Dinge mittelt.

Für den Anfang reicht die eine zusätzliche Spalte in der Tabelle, die du schon führst.


Quellen

  • Margarita Loktionova (Semrush, mit Beiträgen von Christine Skopec und Kevin Indig / Growth Memo), “Why 62% of AI citations don’t lead to brand mentions [Study]”, Semrush Blog, 9. Juni 2026 (Grenzen: Semrush verkauft Werkzeuge zur Messung von KI-Sichtbarkeit und hat damit ein kommerzielles Interesse an dem Fazit, dass Nennungen und Zitate getrennt gemessen werden müssen. Die Stichprobe umfasst 115 Fragen und 3.981 Domain-Auftritte aus 14 Ländern. Wann die Daten erhoben wurden, steht im Artikel nicht. Eine unabhängige Replikation durch Dritte gibt es nicht, eine entsprechende Messung auf Japanisch ebenso wenig)
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