„Werden wir in den KI-Antworten öfter genannt?“
Die Frage kam im Monatsmeeting. Dabei hatte ich eine Anzahl: wie oft unsere Seiten in KI-Antworten zitiert wurden. Mehr als im Vormonat.
Ob mehr gut war, konnte im Raum niemand sagen.
Das macht eine Zahl ohne Bezugsgröße mit dir. Sie bewegt sich, und lesen lässt sie sich trotzdem nicht. Rauf könnte deine Arbeit sein. Rauf könnte auch einfach das Wetter sein.
Schau mal in deinen eigenen Bericht. Wenn dort die Anzahl der Zitate als Kurve liegt, hat sie dieselbe Lücke.
Die fehlende Hälfte liegt seit dem 16. Juni 2026 auf dem Tisch — kostenlos, in den Bing Webmaster Tools.
Wie misst man, wie viel von der KI-Antwort einem selbst gehört?
Man teilt die eigenen Zitate durch sämtliche Zitate, die bei dieser Suchanfrage aufgetaucht sind.
Genau das gibt Citation Share in den Bing Webmaster Tools jetzt aus, kostenlos und als Vorschau (Bing Blogs, 16. Juni 2026).
An der Rechnung ist nichts Besonderes: eigene Zitate, geteilt durch die Zitate aller Seiten bei dieser Anfrage. Diese Formel hätte vor einem Jahr auch schon jeder ans Whiteboard schreiben können.
Neu ist, dass die Plattform den Nenner herausgibt. Du kannst deine eigenen Protokolle lesen, so lange du willst — wie oft ein anderer bei derselben Frage zitiert wurde, steht da nirgends.
Es ist die erste große Plattform, die den Zitatanteil offiziell offenlegt. Bleibt die Frage, was sich am Bericht ändert, wenn aus der Anzahl ein Anteil wird.
Was der Anteil zeigt und die Anzahl nicht
Die Anzahl bewegt sich, auch wenn du gar nichts tust.
Setzt die KI unter eine Antwort acht Quellen statt vier, steigt die Anzahl bei allen Seiten gleichzeitig. Verdient hat das niemand. Kürzt sie im nächsten Quartal wieder, fällt die Anzahl bei allen, und wieder ist nichts passiert.
Die Flut hebt alle Boote im Hafen, und im Bericht steht: bessere Seemannschaft.
Der Anteil hält das aus, weil die Größe des Topfes im Nenner steckt.
Damit wird der interessante Fall überhaupt erst lesbar: Hat sich der Topf verdoppelt und dein Anteil halbiert, dann waren die zusätzlichen Zitate in keinem brauchbaren Sinn deine. Auf einer Kurve aus Anzahlen sieht genau dieser Fall aus wie echtes Wachstum: Die Linie steigt so oder so.
Verschieb die interne Bezugsgröße von der Anzahl zum Anteil, und hinter „wir sind gestiegen“ steht auf einmal etwas.
Die anderen drei Ansichten entscheiden, wo du misst
Zusammen mit Citation Share kamen Intents, Topics und Compare.
Intents zeigt die Suchanfragen, die die KI intern absetzt, während sie eine Antwort zusammenbaut — sortiert danach, worauf die Person aus war: sich informieren, kaufen, irgendwo hinkommen.
Topics bündelt diese Anfragen zu Themen, sodass du Themenfelder liest statt einzelner Keywords.
Compare legt einen früheren Zeitraum darüber und zeigt die Differenz.
Einen Anteil gibt keine der drei aus. Sie entscheiden, auf welchen Ausschnitt der Nachfrage du Citation Share richtest — und das ist keine Kleinigkeit, denn dein Anteil bei kaufnahen Anfragen und dein Anteil bei rein informierenden verlangen völlig verschiedene Arbeit.
Einen Vorbehalt nennt Microsoft selbst: In Fachgebieten werden die Topics-Bezeichnungen grob. Es ist eine Vorschau, und diesen Teil liest man besser mit Abschlag.
Warum der 1. Juni nicht deine Kampagne war
Die Impressionen im Bericht „AI Performance“ — der Ansicht, die zählt, wie oft du in KI-Antworten auftauchst und zitiert wirst — schossen ab dem 1. Juni 2026 nach oben.
Die tatsächlichen Zitate sind dabei nicht gestiegen. Nachgebucht wurden historische Daten, wie Krishna Madhavan von Microsoft Anfang Juli 2026 auf X erklärt hat (PinMeTo).
Nachbuchung heißt hier schlicht: Die Vergangenheit wurde im Nachhinein aufgefüllt.
Wer im Juni mit einer Maßnahme gestartet ist, liest diese Stufe falsch. Diese Stufe in deiner Kurve — sicher, dass sie dir gehört?
Ich hätte ohne Zögern „die Maßnahme aus dem Vormonat wirkt“ gemeldet. Das Dashboard blendet dazu keinen Hinweis ein.
Zwei Dinge helfen. Vergleiche gleichartige Zeiträume, beide nach der Nachbuchung. Und markiere den 1. Juni in den internen Auswertungen als Messereignis, so wie du eine Umstellung im Tracking markieren würdest.
Ob die KI-Zahlen im nächsten Quartal noch jemand ernst nimmt, entscheidet sich genau an dieser Trennung zwischen der Wirkung deiner Arbeit und der Eigenheit der Messung. Eine Kurve mit einer unerklärten Stufe macht bald niemand mehr auf.
Wie weit diese Zahl trägt
Sie deckt Copilot und die KI-Antworten von Bing ab. Was ChatGPT, Gemini oder Claude zitieren, steht hier überhaupt nicht drin.
Microsoft sagt es deutlich: eine Beobachtungsgröße, kein Ranking und keine Wettbewerbstabelle. Fremde Domains siehst du nicht, und ein Anteil am Traffic ist es auch nicht.
Zum Verhalten bei deutschsprachigen Anfragen ist ebenfalls nichts veröffentlicht.
Die Bing Webmaster Tools geben dir also deinen eigenen Anteil, gleichbleibend gemessen, auf einer Plattform. Mehr nicht.
Gegenüber einer Anzahl ohne Bezugsgröße ist das trotzdem ein Schritt nach vorn. Kostenlos und ab heute verfügbar, damit lässt sich arbeiten.
Die Bezugsgröße von der Anzahl auf den Anteil umstellen
Es geht um eine einzige Linie im Bericht.
Steht bei euch als Bezugsgröße für KI-Sichtbarkeit eine Anzahl von Zitaten, mach einen Anteil daraus. Die Bing Webmaster Tools kosten nichts, es sind also nur dreißig Minuten Formatarbeit am Bericht.
Wenn du schon dabei bist: Schreib die Nachbuchung vom 1. Juni als Fußnote dazu. Leg die Vergleichszeiträume so, dass beide danach liegen, dann wird die Stufe nicht mehr für ein Ergebnis gehalten.
Und den Rest der Welt zählst du getrennt.
Der sichtbare Anteil deckt Copilot und Bing ab; wie ChatGPT oder Gemini über deine Firma sprechen, taucht auf diesem Bildschirm nie auf.
Über mehrere Modelle hinweg zu messen bleibt damit deine eigene Aufgabe — wie vorher.
Quellen
- Microsoft, “New AI Visibility Insights in Bing Webmaster Tools: Intents, Topics, Citation Share, Compare”, Bing Blogs, 16. Juni 2026 (Ankündigung von vier neuen Ansichten in den Bing Webmaster Tools, kostenlos und als Vorschau. Citation Share gibt die Zitate einer Website als Anteil an allen Zitaten aus, die bei einer Suchanfrage aufgetreten sind. Intents ordnet die intern von der KI abgesetzten Suchanfragen nach informierender, kaufnaher und navigierender Absicht; Topics bündelt diese Anfragen zu Themenfeldern; Compare legt einen früheren Zeitraum darüber. Microsoft ordnet die Werte als Beobachtungsgrößen ein, nicht als Ranking oder Wettbewerbstabelle: Domains von Mitbewerbern sind nicht sichtbar, und der Anteil bezieht sich auf Zitate, nicht auf Traffic. Abgedeckt sind Copilot und die KI-Antworten von Bing. Microsoft weist darauf hin, dass die Topics-Bezeichnungen in Fachgebieten grob ausfallen können.)
- PinMeTo, “Bing’s AI citation surge was backfill, not new visibility”, 2026 (berichtet, dass die Impressionen im Bericht „AI Performance“ der Bing Webmaster Tools ab dem 1. Juni 2026 stark gestiegen sind, weil historische Daten nachgebucht wurden, und nicht wegen tatsächlich zusätzlicher Zitate; berufen wird sich auf Krishna Madhavan von Microsoft, Anfang Juli 2026 auf X.)