„Ich veröffentliche mehr denn je — und in der KI-Antwort steht trotzdem ein anderer Name”
Die Kurve der veröffentlichten Beiträge zeigt sauber nach oben. Fragst du dieselbe KI dann nach guten Anbietern in deiner Kategorie, kommt eine Liste zurück, auf der du fehlst.
Ging mir ein halbes Jahr lang genauso. Ich hab gezählt, was rausgeht, und gehofft, der Rest ergibt sich halt.
Das Ding ist: An der Menge lag es gar nicht.
Es lag an der Form der Seiten, die die Modelle überhaupt in die Hand nehmen. Jemand hat 25.000 zitierte URLs ausgezählt — fangen wir bei dem an, was da rauskam.
Welche Seiten KI-Antworten am häufigsten zitieren
Von rund 400 Millionen ausgewerteten Zitationen zeigen 63 % auf Listicles — also auf Artikel vom Typ „Die 7 besten Projekttools” R. Über die einzelnen Systeme liegt der Anteil zwischen 40 und 65 %, unter vier von zehn rutscht keines.
Listicle heißt im Kern: ein Artikel, der die Kandidaten einer Kategorie nebeneinanderstellt und durchvergleicht. Sprich: die Seite, auf der dein Wettbewerber vermutlich längst steht.
Am niedrigsten liegt Copilot, am höchsten Gemini. Angeschaut wurden sechs Systeme — ChatGPT, Copilot, Gemini, Google AI Mode, Google AI Overview und Perplexity —, der Zeitraum waren März und April.
Wohlgemerkt: Evertune, die das gemessen haben, verkaufen selbst ein Tool für KI-Sichtbarkeit. Wie man damit umgeht, kommt weiter unten in einem eigenen Abschnitt.
Mit Rangfolge oder ohne — davon hängt ab, wie viele Türen offen stehen
Innerhalb der Listicles machen Ranglisten mit Platzierung 71 bis 86 % aus. Also die Sorte Artikel, die von Platz 1 abwärts durchnummeriert.
Danach kommen Aufzählungen ohne Reihenfolge. Rankings von Verbänden und Instituten liegen bei 1,4 bis 4,7 %.
Auf so eine Verbandsliste zu kommen, kostet Zeit, oft eine Mitgliedschaft und meistens ein Bewerbungsverfahren. Und dieser ganze Apparat deckt keine fünf Prozent dessen ab, was die Modelle tatsächlich zitieren.
Den weit überwiegenden Rest schreiben Fachmedien, Blogs und einzelne Leute. Heißt, das sind Türen, an die du diese Woche klopfen kannst.
Der Vorrat an Listen, auf die du kommen kannst, ist deutlich größer, als er sich anfühlt.
Die zitierten Seiten hatten kein Sonderformat für Maschinen
Die Seiten lagen meist bei 1.000 bis 2.000 Wörtern, die Sätze im Schnitt bei 18 Wörtern. Modellabhängig geht das auseinander: Was Copilot zitiert, hat im Schnitt 964 Wörter und 24 Absätze, bei Gemini sind es 1.977 Wörter und 53 Absätze.
Das sind keine Zielwerte. Es sind Mittelwerte von Seiten, die zitiert wurden — wer seinen Text auf 1.500 Wörter trimmt, hat davon erst mal gar nichts.
Was übrig bleibt, ist eine einzige Beobachtung: Vergleichsartikel, die für Menschen geschrieben sind, wandern genau so in die Antworten.
Ich hatte mich auf ein Extra-Format für Maschinen eingestellt und bin dann im Anzug auf einer Party aufgeschlagen, auf der alle in Jeans standen.
Wie weit man dieser Zahl trauen kann
Drei Dinge gehören dazu, bevor die 63 % in deine Folien wandern.
- Evertune verkauft eine Messplattform für KI-Sichtbarkeit; „geht auf Listen” liegt im Interesse des Hauses.
- Begutachtet ist die Auswertung nicht — im internen Dokument gehört also dazugeschrieben, wer erhoben hat.
- Es ist die Zusammensetzung der zitierten URLs, kein Beleg dafür, dass eine Liste Zitationen erzeugt.
Denn bei kommerziellen Kaufanfragen gibt es von Haus aus reichlich Listicles. Diese Schieflage im Ausgangsmaterial kriegt die Auswertung nicht raus, und sie räumt das auch selbst nicht aus.
Noch eine Zahl wird gern danebengelegt: 50 %, aus einer anderen Erhebung über rund 50 Kategorien, mehr als 40.000 URLs, 60 Tage, April 2026 R. Anderes Material, anderer Zeitraum — als Zeitreihe neben die 63 % gestellt, liest man beide falsch.
Und diese drei Prüfungen? Die kannst du eins zu eins auf die nächste Anbieterstudie anwenden, die dir jemand ins Meeting legt.
Erst zählen, auf wie vielen Listen du stehst
Es ist weniger zu tun, als es klingt. Such in deiner Kategorie nach „beste …” und „… Vergleich”, mach die ersten zehn Listen auf und zähl, auf wie vielen dein Name steht — die Listen ohne dich sind deine Arbeitsliste für nächste Woche.
Die zweite Sache: Prüf das mit mehr als einer Oberfläche. Bei derselben Frage kam Perplexity auf 838 unterschiedliche Quell-URLs, der Google AI Mode auf 6.687 (Evertune, 2026). Je nachdem, wo du nachschaust, hast du also ein völlig anderes Quellenfeld vor dir.
Wo auf der Seite dein Name landet, steht in Welche deiner Presseerwähnungen liest die KI eigentlich wirklich?; ob eine Zitation in der Antwort auch benutzt wurde, in Vier Dinge hatten die Seiten gemeinsam, die ChatGPT wirklich einbaut. Heute ging es um die Stufe davor: auf welcher Art Seite du überhaupt auftauchst.
Mach die zehn Listen auf und zähl durch, bevor du den nächsten Artikel planst.