„Die Presseerwähnungen sind auch dieses Quartal gestiegen.” Wer schon mal im monatlichen PR-Report gesessen hat, kennt die Zeile. Und hat sie selbst gesagt.
Und dann tippst du im selben Monat „beste Tools für das und das” bei ChatGPT ein — und dein Firmenname kommt nicht vor.
Beides stimmt gleichzeitig. Der Clipping-Zähler steigt schon. Die KI kennt dich eben trotzdem nicht.
Ging mir genauso: Ich hab lange gedacht, Sichtbarkeit stapelt sich halt. Münzen ins Sparschwein, und auf den Wert der Münze kommt’s nicht groß an. Fünfzehn Erwähnungen sind fünfzehn Erwähnungen.
Nur: Da ist jemand hingegangen und hat rund 410.000 dieser Erwähnungen danach sortiert, wo genau auf der Seite sie standen. Und die, die die Modelle aufgreifen, haben eine Form. Schauen wir uns mal an, welche — und welche Spalte in deinem Report fehlt.
„Die Clippings steigen, aber warum kennt die KI uns nicht?”
Zahlen zu dieser Frage hat BrandMentions geliefert, in einer Beobachtungsstudie von Ende Juli 2026. Die Größe macht die Sache interessant: 240 Marken aus 6 Branchen, rund 410.000 öffentliche Erwähnungen, über die 90 Tage vom 19. April bis 17. Juli 2026.
Beobachtet wurden drei KI-Seiten: die KI-Übersichten von Google, Perplexity und der Browsing-Modus von ChatGPT. Gefragt wurde mit Kaufabsicht — „die besten”, „vergleiche”, „Alternative zu”. Heißt, so wie man mit einem Modell redet, wenn man vor dem Kauf die Kandidaten nebeneinanderlegt.
Der Aufbau ist simpel: auf der einen Seite die Marken, die in den KI-Antworten immer wieder auftauchen, auf der anderen die, die praktisch nie vorkommen. Dann vergleicht man, wie ihre Erwähnungen verteilt sind. Nicht wie viele. Wie sie liegen. Fangen wir mit der einfachsten Frage an: An welcher Stelle der Seite steht die Erwähnung?
Bei den Marken, die regelmäßig in KI-Antworten vorkommen, standen rund 70 bis 80 Prozent der Erwähnungen im Fließtext, in einer Tabelle oder in einer Liste. Erwähnungen, die im Footer, in der Seitenspalte oder im „Boilerplate” parkten? Unter 5 Prozent. Boilerplate heißt im Kern: der Teil, der auf jeder Seite einer Website identisch ist — der Firmenkasten unten, die Kundenlogo-Leiste rechts. Sprich: genau die Fläche, über die das menschliche Auge automatisch hinwegrutscht.
Und das Modell rutscht da wohl genauso drüber. Wer mal Mail um Mail geschrieben hat, um einen Platz in so einer Logo-Leiste zu bekommen, schluckt an der Zahl. Ich hab das gemacht. Das Logo kam rein. Und landete, nach dieser Verteilung, genau dort, wo bei den gut sichtbaren Marken fast nichts steht.
Wer die Erwähnung geschrieben hat, trennt die zwei Gruppen klar
Nächste Frage: Auf wessen Seite stand die Erwähnung?
Bei den gut sichtbaren Marken kamen rund 70 bis 80 Prozent der öffentlichen Erwähnungen von Dritten. Also aus einem Artikel, den jemand anders geschrieben hat, nicht von der eigenen Website oder dem eigenen Blog.
Bei denen, die fast nie auftauchen, sah es anders aus: eigene Medien machten etwa 30 bis 40 Prozent ihrer Erwähnungen aus, Dritte 60 bis 70 Prozent.
Den eigenen Content auszubauen ist ja nicht der Fehler. Aber je mehr dein Stapel aus eigenen Seiten besteht, desto näher rückt seine Verteilung an die der wenig sichtbaren Gruppe. Mehr sagen die Daten an dieser Stelle nicht.
Den Vergleich über die Menge — Erwähnungen gegen Backlinks — hab ich im Artikel darüber, wie wenig deine Links für die KI zählen durchgespielt: Ahrefs kam da auf eine Korrelation von 0,664 für Marken-Erwähnungen gegenüber 0,218 für Backlinks. Was diese Studie ergänzt, ist die andere Achse: nicht wie viele Erwähnungen, sondern welche Form sie haben.
Der größte Batzen hat überhaupt keinen Link
Jetzt kommt die Zahl, die den Satz im Placement-Gespräch verändert. Unter den Dritt-Erwähnungen rund um die gut sichtbaren Marken:
- Nur Text, ohne Link: rund 50 bis 60 Prozent
- Mit Hyperlink: rund 25 bis 35 Prozent
- Link auf einen Marktplatz oder ein Profil: rund 5 bis 10 Prozent
Die größte Gruppe ist die Erwähnung ohne Link.
Nur dein Name, in einem Satz, der nirgendwohin führt.
Wenn du Medien also danach aussortierst, ob sie einen Link geben, streichst du dir freiwillig den größten Batzen weg. Links sind damit nicht wertlos, darum geht’s nicht. Aber „kein Link, also nichts zu berichten” ist eine Zählregel, die nicht zu dem passt, was die Modelle lesen.
Was neben deinem Namen steht, entscheidet, ob es hängen bleibt
Die Position war das Wo. Bleibt das Drumherum.
Rund 35 bis 40 Prozent der gut sichtbaren Erwähnungen standen höchstens 5 bis 10 Wörter von einem Kategoriewort entfernt. Ein Kategoriewort ist der Ausdruck, der sagt, was für eine Firma du bist — „Projektmanagement-Tool”, „Lohnabrechnungs-Software”. Also das, was ein menschlicher Leser gar nicht dazugesagt bekommen muss.
Weitere 20 bis 25 Prozent lagen in der Nähe von Vergleichsformulierungen: „gegenüber”, „Alternative zu”, „statt”. Und 10 bis 15 Prozent waren bloß ein hingeworfener Name, ganz ohne beschreibenden Kontext.
Dieses letzte Stück ist die Falle. Ein Mensch, der nur den Namen liest, holt sich aus dem Rest des Artikels zusammen, was du machst. Die Maschine, die den Namen aus der Seite zieht, ergänzt nichts. Denn steht im Satz nicht, was du bist, lernt das Modell aus der Erwähnung eben nichts.
Der Satz, auf den du eigentlich aus bist, ist damit erfreulich unspektakulär: deine Kategorie und dein Name in einem Atemzug, am besten in einer Liste von Optionen. Kein Absatz über dich. Ein Halbsatz, der die zwei verbindet.
Diese Zahlen sind ein Verteilungsunterschied, kein Zielwert
Drei Vorbehalte, bevor das in eine Präsentation wandert. Und die haben Gewicht.
- BrandMentions verkauft ein Monitoring-Tool für Marken-Erwähnungen; der Schluss „Erwähnungen machen KI-Sichtbarkeit” kommt dem Haus halt gelegen.
- Alle Zahlen sind Spannen, ohne veröffentlichte Signifikanztests und ohne Konfidenzintervalle (also ohne die Angabe, wie stark der Wert bei einer anderen Stichprobe schwanken könnte).
- Es ist eine Korrelation: Niemand hat gezeigt, dass eine Erwähnung im Fließtext das Modell dazu bringt, deinen Namen zu nennen.
Nagle also weder 70 Prozent noch „unter 5 Prozent” als internes Ziel fest. Lies es als das Relative, das es ist: Die zwei Gruppen hatten unterschiedlich verteilte Erwähnungen. Vielleicht geb ich den Spannen eines einzelnen Anbieters mehr Gewicht, als sie tragen.
Aber wenn die Verteilungen wirklich auseinandergehen, dann kannst du ab heute zählen, welcher der beiden deine eigenen Erwähnungen ähneln.
Eine Spalte mehr im Clipping-Report
Die Erwähnungen, die die KI aufgreift, haben eine Form, und zwar eine konkrete. Ein Artikel von Dritten, im Fließtext oder in einer Tabelle, mit einem Kategoriewort direkt neben dem Namen. Ob ein Link dranhängt, ist die Frage danach, nicht die erste. Dein Clipping-Report sieht davon nichts, er zählt halt Artikel.
Die erste Handlung ist deshalb eine Sortierarbeit, die du heute Nachmittag machen kannst. Öffne deine letzten drei Erwähnungen und leg jede in einen Korb: Name im Fließtext, in einer Tabelle oder Liste — oder Name im Footer und in der Logo-Leiste. Das ist die fehlende Spalte, und für ein ganzes Quartal ist sie schnell gefüllt.
Das Zweite, locker halten, aber halten: Stell diese Sortierung neben die Frage, wie oft du tatsächlich in KI-Antworten auftauchst, und schau beides einmal im Monat in derselben Form an. Eine einzelne Messung sagt nichts über die Richtung — es geht darum, dieselben Fragen zu wiederholen, nicht einmal bessere zu stellen. Die Clippings haben wir alle gezählt, wo sie auf der Seite gelandet sind, aber praktisch keiner.
Da liegt also noch ein recht billiger Vorsprung — in einer Spalte, die bisher niemand aufgemacht hat.
Quellen
- BrandMentions (Cornelia Cozmiuc), „Do Brand Mentions Really Influence AI Visibility? The 2026 Evidence, Explained”, Juli 2026, brandmentions.com (rund 410.000 öffentliche Marken-Erwähnungen zu 240 Marken aus 6 Branchen; 90 Tage vom 19. April bis 17. Juli 2026; beobachtet wurden Antworten auf Kaufabsichts-Anfragen in Google AI Overviews, Perplexity und dem Browsing-Modus von ChatGPT. Marken, die wiederholt in KI-Antworten auftauchen, zogen rund 70 bis 80 Prozent ihrer öffentlichen Erwähnungen aus Dritt-Quellen; bei Marken, die fast nie auftauchen, lagen eigene Medien bei etwa 30 bis 40 Prozent. Aufteilung der Dritt-Erwähnungen rund um gut sichtbare Marken: nur Text rund 50 bis 60 Prozent / mit Hyperlink rund 25 bis 35 Prozent / Link auf Marktplatz oder Profil rund 5 bis 10 Prozent. Position der Erwähnungen: Fließtext, Tabellen und Listen rund 70 bis 80 Prozent, Footer, Seitenspalte und Boilerplate unter 5 Prozent. Rund 35 bis 40 Prozent der gut sichtbaren Erwähnungen lagen innerhalb von 5 bis 10 Wörtern zu einem Kategoriewort, rund 20 bis 25 Prozent nahe einer Vergleichsformulierung, rund 10 bis 15 Prozent waren ein Name ohne beschreibenden Kontext. Im Artikel referenzierte externe Daten: Ahrefs gibt die Korrelation mit KI-Sichtbarkeit mit 0,664 für Marken-Erwähnungen gegenüber 0,218 für Backlinks an; AirOps findet 85 Prozent der Marken-Erwähnungen auf externen Domains. Grenzen: Der Herausgeber verkauft Monitoring-Tools für Marken-Erwähnungen und hat ein kommerzielles Interesse an diesem Schluss; die Zahlen sind Spannen ohne Signifikanztests und Konfidenzintervalle, und es handelt sich um die Beobachtung einer Korrelation, nicht um einen Kausalitätsnachweis)