„Unsere Kategorie haben doch längst die Großen”
Der Satz fällt in der Zielrunde, und der Raum wird still — weil ihn alle halb glauben.
Wer ihn sagt, macht es sich auch nicht leicht. Frag ChatGPT nach der Kategorie, und da stehen sie, in einer Reihe, die immer gleichen Namen.
Ich habe zehn Antworten hintereinander ohne unseren Namen angeschaut und den Tab kommentarlos zugemacht. Von oben herab rede ich hier also nicht.
Nur sehen „besetzt” und „gehört noch niemandem” in diesem Tab exakt gleich aus. Haben wir den Unterschied je nachgezählt? Jemand schon — 1.094 Kategorien weit.
Hat die KI in deiner Kategorie schon einen Sieger gekürt?
In den meisten Fällen nicht. Von 1.094 geprüften US-Kategorien hatten 15,2 Prozent einen klaren Platzhirsch, und bei 53,7 Prozent ließ sich niemand als Besitzer benennen.
Weitere 31,2 Prozent haben das, was die Studie einen aufstrebenden Führer nennt — ein laufendes Rennen also, kein Ergebnis. Wirklich entschieden sind damit jene 15,2 Prozent: etwa jede sechste bis siebte Kategorie.
Ein Kategorie-Platzhirsch ist hier die Marke, die stabil zurückkommt, wenn du dem Modell die Fragen dieses Felds stellst. Die Arbeit stammt von Semrush und erschien am 20. Juli 2026 (Studie).
- Über 50.000 Marken und 1.094 Kategorien in den USA
- Januar bis Juni 2026, gefragt wurde ausschließlich ChatGPT
- Fünf repräsentative Prompts je Kategorie: Definition, Vergleich, Alternativen, Anwendungsfall und Kaufentscheidung
Semrush verkauft Tracking-Werkzeuge für genau das. „Man muss auf Kategorieebene messen” ist also die Schlussfolgerung, die die Rechnungen bezahlt. Kein Grund, die Zahlen wegzuwerfen — aber einer, sie mit einer Hand am Geländer zu lesen.
Und der Vorsprung des Siegers liegt bei 1,3 Punkten
Schauen wir uns an, wie sich die Plätze über diese sechs Monate bewegt haben.
Wo der erste Platz gewechselt hat, betrug der Vorsprung im Median 1,3 Prozentpunkte. Wo er gehalten hat, 2,9 Punkte. Und klare Platzhirsche behielten ihre Position in 90,4 Prozent der Monatsvergleiche.
Schaut man nur auf die 90,4 Prozent, wirken sie unverrückbar. Interessant ist, worauf diese Festigkeit ruht: auf einer Handvoll Punkte.
Das ist das Supermarktregal mit einem Produkt eine Reihe weiter vorn. Morgen wird eingeräumt, und vorn steht ein anderer Name.
Wer den Abstand in der eigenen Kategorie kennt, weiß, ob sich Investment lohnt. Die 2,9 Punkte im Median taugen als Maßstab, an den man den eigenen Wert hält.
Verraten Markensuchen, wer die Kategorie besitzt?
Nur ungefähr in der Hälfte der Fälle, was weniger ist, als es klingt. Das Suchvolumen auf den Markennamen sagte den Kategoriebesitzer in 55,7 Prozent richtig voraus; der Authority Score von Semrush selbst in 52,5 Prozent, organischer Traffic in 48,4 Prozent.
Markensuchen sind schlicht, wie oft jemand deinen Namen ins Suchfeld tippt. Als Thermometer für Bekanntheit taugt das. Als Wegweiser dazu, wen das Modell für die Autorität hält, ist es kaum besser als eine geworfene Münze.
Ein zweites Paar gehört ebenfalls getrennt. Nennungen (wie oft ein Markenname fällt) und Zitate (wie oft eine Domain als Quelle dient) korrelieren mit -0,229, also leicht negativ.
Und die meistzitierte Domain einer Kategorie war nur in 21 Prozent der Fälle auch die meistgenannte Marke.
Weil sich Nennungen und Zitate unabhängig voneinander bewegen, gehören sie in zwei Spalten statt in eine Summe. Über das Zusammenlegen von KI-Sichtbarkeit und Suchmaschinen-Team habe ich schon geschrieben (hier); das Team zusammenzulegen erspart dir die zusätzlichen Spalten im Report trotzdem nicht.
Wie weit trägt diese 53,7-Prozent-Zahl?
Nur ChatGPT. Gemini, Perplexity und AI Overviews sind in den Daten nicht enthalten.
Die 1.094 Kategorien sind amerikanisch. Eine Messung des deutschsprachigen Marktes steht hier nirgends.
Fünf Prompts je Kategorie ist ein sauberes Design, aber es ist nicht danach gewichtet, wie sich die tatsächliche Nachfrage über die gestellten Fragen verteilt.
„Besitzer” und „aufstrebender Führer” sind Schwellenwerte von Semrush selbst. Stell ihren Prozentsatz neben den eines anderen Tools, und du vergleichst zwei Definitionen statt zweier Messungen derselben Sache.
Und die Sache mit den Markensuchen ist eine Korrelation. Nirgends steht, dass mehr Markensuchen dich beim Modell zur Autorität machen.
Ich würde es so einordnen: Die 53,7 Prozent sind ein guter Grund, die eigene Kategorie nachzuzählen, und ein schlechter Ersatz dafür, sie gezählt zu haben. Beschrieben werden 1.094 amerikanische Kategorien, nicht deine.
Eine Kategorie wählen und den Abstand zum Ersten zählen
Das Brauchbare an dieser Studie ist kein einzelner Prozentsatz. Es ist die Maßeinheit.
Fragst du, wie sichtbar die ganze Firma in KI-Antworten ist, heben sich die Stellen, an denen du gewinnst, gegen die auf, an denen du verlierst. Zurück kommt eine graue, unbrauchbare Zahl.
Die konkrete Fassung ist klein: Nimm die eine Kategorie, die du gewinnen willst, und miss, wie viele Punkte dich heute vom Ersten trennen. Ein paar Punkte, und sie ist ein Investment-Kandidat. Zwanzig, und du nimmst dir vermutlich besser erst eine andere vor.
Dann halt es durch: dieselben Fragen, dieselbe Kategorie, einmal im Monat. Diesen Teil nehmen dir Branchenreports nicht ab, weil sie nicht die Kategorie messen, in der du verkaufst.
Zähl ein paarmal nach, und der Bildschirm, der eben noch voller großer Namen war, zeigt plötzlich Lücken. Hol dir die Zahl einer Kategorie und nimm sie mit ins Meeting.
Quellen
- Margarita Loktionova (Semrush), „AI visibility is a topic-level game: A study of 50,000 brands in ChatGPT”, veröffentlicht am 20. Juli 2026, semrush.com (über 50.000 Marken und 1.094 US-Kategorien, Januar bis Juni 2026, ausschließlich ChatGPT, fünf repräsentative Prompts je Kategorie: Definition, Vergleich, Alternativen, Anwendungsfall, Kaufentscheidung. In 15,2 Prozent der Kategorien gab es einen klaren Besitzer, in 31,2 Prozent einen aufstrebenden Führer, in 53,7 Prozent keinen. Medianer Vorsprung von 1,3 Punkten bei Wechsel des ersten Platzes und 2,9 Punkten bei gehaltenem Platz; klare Besitzer behielten ihre Position in 90,4 Prozent der Monatsvergleiche. Das Suchvolumen auf Markennamen sagte den Besitzer in 55,7 Prozent voraus, der Authority Score in 52,5 Prozent, organischer Traffic in 48,4 Prozent. Nennungen und Zitate korrelieren mit -0,229, und die meistzitierte Domain war nur in 21 Prozent der Kategorien auch die meistgenannte Marke. Semrush verkauft Werkzeuge zur Messung von KI-Sichtbarkeit; „Besitzer” und „aufstrebender Führer” sind eigene Definitionen, und der Zusammenhang mit Markensuchen ist rein korrelativ.)