„Und wer übernimmt bei uns eigentlich das KI-Such-Thema?”
Kennst du das, dass nach genau diesem Satz das Meeting kurz stillsteht?
Hängen wir es an die SEO-Leute dran, oder stellen wir ein eigenes KI-Team auf? Und weil das offenbleibt, rutscht das Ganze wieder ins „Machen wir nächstes Mal”. Solche Teams gibt es reichlich, oder?
Auch in meinem Umkreis höre ich das ständig: Erst wird die Fahne „KI-Projekt” gehisst, und dann läuft das monatelang, ohne dass mit dem bestehenden Suchteam auch nur geredet wird.
Nur: Eine Auswertung von 126 Millionen KI-Such-Prompts aus den USA zeigt, dass genau die Antwort auf „Wessen Job ist das?” den Erfolg deutlich auseinanderzieht.
Schauen wir uns das mal an, bis hin zur ganz praktischen Frage, wie man den Laden aufstellt.
Eine Auswertung, die 126 Millionen KI-Suchen durchleuchtet hat
Wir schauen auf die erweiterte Fassung des „2026 AI Visibility Index”, den Semrush am 26. Juni 2026 veröffentlicht hat (R).
Der Umfang ist schon ordentlich: 126 Millionen in den USA gestellte KI-Such-Prompts, analysiert über Januar bis April 2026.
Abgedeckt sind vier Plattformen, nämlich ChatGPT, Gemini, Google AI Mode und Google AI Overviews. Daraus wurden Benchmarks für 22 Branchen gebaut.
Ein Vorbehalt gehört aber dazu: Semrush verkauft selbst ein Tool, mit dem man KI-Sichtbarkeit trackt. Da misst also jemand, der ein handfestes Geschäftsinteresse am Ergebnis „KI-Sichtbarkeit muss man messen” hat.
Die nackten Zahlen nimmt man deshalb ruhig ernst, den Nachdruck auf einzelnen Punkten liest man besser mit einem kleinen Abschlag.
Zusammengelegt melden 81 %, getrennt nur 36 %
Direkt auf die Eingangsfrage „Wessen Job ist das?” zahlt der Organisations-Teil der Studie ein. Die Firmen wurden danach sortiert, wie sie SEO und KI-Sichtbarkeit handhaben, und dann wurde verglichen, wer welchen Erfolg meldet.
- Organisationen, die SEO und KI-Sichtbarkeit zusammen steuern: 81 % melden mehr Zulauf oder mehr Leads.
- Organisationen, die beides getrennt managen: nur 36 %.
45 Punkte Abstand. Beide „machen KI-Zeug”, und allein die Platzierung reißt sie so weit auseinander.
Hier ein Vorbehalt: Diese 81 % und 36 % stammen aus einer Selbstauskunft, also aus einer Umfrage, in der die Befragten selbst „ist gestiegen” angekreuzt haben. Das ist keine Messung, und einen Kausalpfeil „zusammengelegt, deshalb gestiegen” belegt es nicht. Es könnte genauso sein, dass gut laufende Läden zufällig eher beides bündeln.
Trotzdem: 45 Punkte sind kein Abstand, den man wegwischt. Warum es getrennt hakt, lässt sich an anderen Zahlen derselben Studie erahnen.
KI-Sichtbarkeit ist nicht „einmal drin, fertig”, sondern Dauerlauf
Der erste Grund, warum es getrennt hakt: KI-Sichtbarkeit ist kein Job, bei dem man einmal auftaucht und dann fertig ist.
Die Studie verfolgt 1.200 Marken, und über alle vier Plattformen hinweg jeden Monat in den Top 100 zu bleiben, schafften im Zeitraum gerade mal 36 Marken.
Die Namen: YouTube, Google, Reddit, Amazon, Facebook, Apple, Walmart, Disney, Nintendo. Also im Grunde neun Champions-League-Profis, die sich in die Kreisliga verirrt haben.
Heißt: Selbst wenn du einmal im Quartal punktuell etwas machst und dein Name auftaucht, rechne damit, dass er im Folgemonat wieder rausgefallen ist.
Einen Dauerlauf legt man sinnvollerweise dort ab, wo ohnehin dauerhaft gelaufen wird. Ein frisch aufgesetztes Experiment-Projekt ist auf Dauer meist gar nicht ausgelegt.
ChatGPT zitiert 15 Quellen, Gemini nur 3
Der zweite Grund: Jede KI zitiert nach ihren eigenen Regeln, und die sind grundverschieden.
- ChatGPT: im Schnitt 15 zitierte Quellen pro Antwort.
- Gemini: im Schnitt 3 Quellen pro Antwort.
Faktor fünf. Und es ist nicht nur die Zahl der Quellen, die je Modell schwankt.
„Nennung” heißt, dein Name kommt in der Antwort vor. „Zitat” heißt, du wirst als Quelle verlinkt. Bei Gemini fällt die Überschneidung dieser beiden manchmal auf rund 30 %.
Sprich: Schaust du nur auf ChatGPT und sagst „Wir sind ja drin”, ist die Sache bei Gemini eine ganz andere. Wer alle vier laufend im Blick behalten will, hängt schneller eine Spalte an den bestehenden Suchreport, als ein neues Team hochzuziehen.
Bevor du Ziele setzt, miss erst das „Marktniveau” deiner Kategorie
Der dritte Grund: Um das Zielniveau festzulegen, musst du erst das Marktniveau deiner eigenen Kategorie kennen. Die Studie stellt 22 Branchen nebeneinander, und wie viel der Sichtbarkeit die Top 3 abgreifen, war je Branche völlig verschieden.
| Branche | Sichtbarkeitsanteil der Top 3 |
|---|---|
| News und Medien | 82,9 % |
| Unterhaltungselektronik | 76,9 % |
| Industrie | 42,2 % |
| Finanzen | 41,4 % |
Bei News und Medien schnappen sich die Top 3 gut 80 % der Kategorie. Da als Vierter reinzuwollen, ist eine ziemliche Bergtour.
Finanzen dagegen liegt bei 41,4 %. Mehr als die Hälfte verteilt sich außerhalb der Top 3, es ist also reichlich Platz zum Reinkommen. Dasselbe Ziel „in der KI sichtbarer werden” verlangt je nach Branche also völlig verschieden viel Kondition.
Und wer hat dieses Gespür fürs Marktniveau? Meistens genau das bestehende Team für Suche und Content. Schneidet man KI-Sichtbarkeit heraus und übergibt sie einer neuen Abteilung, lässt man dieses angesammelte Wissen einfach liegen.
Fazit: KI-Sichtbarkeit als Teil der Sucharbeit in denselben Report holen
Was du aus den 126 Millionen mitnehmen kannst: KI-Sichtbarkeit ist eher kein Job, für den man ein eigenes Spezialteam gründet. 81 % bei zusammengelegtem Betrieb gegen 36 % bei getrenntem. Dass es ein Dauerlauf ist und dass jede KI anders zitiert, verträgt sich schlecht mit einem einmaligen Experiment-Projekt.
Zu tun sind also zwei Dinge. Erstens: Häng die KI-Sichtbarkeits-Kennzahlen als Spalte in den bestehenden Report für Suche und Content. Zweitens: Miss, bevor du ein Ziel setzt, die Konzentration deiner Kategorie. In einer Branche, in der die Top 3 gut 80 % halten, liegt das anzupeilende Niveau nun mal woanders als in einer mit 40 %.
Und der Vorbehalt zum Schluss noch einmal. Die Studie beruht nur auf US-Prompts, der japanischsprachige Raum ist ungetestet, und die Kennzahlen sind Semrushs eigene Definition, also nicht direkt mit den Werten anderer Tools vergleichbar. Trotzdem ist der Fund, dass die Platzierung im Team den Erfolg auseinanderzieht, es wert, ihn zu kennen, bevor man eine neue Schublade aufmacht. Schau ruhig mal rein.
Quellen
- Semrush, „Semrush Releases Expanded 2026 AI Visibility Index, Analyzing 126 Million AI Search Prompts”, 26. Juni 2026, semrush.com (126 Millionen US-KI-Such-Prompts, Januar bis April 2026, vier Plattformen ChatGPT/Gemini/Google AI Mode/Google AI Overviews, 22-Branchen-Benchmark. Organisationen mit zusammengelegtem SEO- und KI-Sichtbarkeits-Betrieb melden zu 81 % mehr Zulauf/Leads, getrennter Betrieb nur 36 %. Von 1.200 Marken hielten nur 36 über alle vier Plattformen monatlich die Top 100. ChatGPT zitiert im Schnitt 15 Quellen, Gemini 3. Sichtbarkeitsanteil der Top 3: News/Medien 82,9 %, Unterhaltungselektronik 76,9 %, Industrie 42,2 %, Finanzen 41,4 %. Semrush ist Anbieter von KI-Sichtbarkeits-Tools und hat ein kommerzielles Interesse am Ergebnis. 81 %/36 % sind Selbstauskunft aus der Umfrage und Korrelation)
- Semrush AI Visibility Index (Original), ai-visibility-index.semrush.com