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41,4 % starten den Kauf jetzt bei der KI, nur 38 % direkt auf deiner Website

POINT Kernpunkte
  • Die KI-Zahl hat sich in einem Jahr um 0,3 Punkte bewegt
  • Weggebrochen ist der Direktbesuch: 21 Punkte weniger als im Vorjahr

„Wir haben die halbe Website umgebaut — und die Neukundenzahl zuckt nicht mal”

Produktfotos getauscht. Warenkorb-Mails neu aufgesetzt. Nochmal eine halbe Sekunde Ladezeit rausgeholt.

Und die Zahl der Neukunden steht exakt da, wo sie letztes Jahr stand.

Kennst du das? Ging mir genauso: Mein erster Reflex ist immer, dass innen noch irgendwas kaputt sein muss. Conversion, Checkout, noch ein Test.

Nur: Wenn du monatelang innen schraubst und sich nichts bewegt, lohnt sich mal die Frage, was eigentlich passiert, bevor jemand bei dir ankommt.

Und genau zu diesem „davor” hat mal jemand die Leute direkt gefragt. Schauen wir uns das an.

Wie viele Leute starten ihren Kauf inzwischen bei einer KI

41,4 % sagen, ihr Startpunkt sei ein KI-Tool — gegenüber 38 %, die direkt auf die Website der Marke gehen (Befragung, 4.040 Erwachsene aus den USA und Großbritannien). Bei dieser Frage liegt die KI damit zum ersten Mal vorn.

Hinter der Befragung steht Bloomreach, ein Anbieter von Personalisierungs-Software für den Handel; durchgeführt hat sie Propeller Insights. Feldzeit war vom 11. bis 21. Mai 2026, veröffentlicht wurde das Ganze am 22. Juli 2026 als Report „Is AI Usurping Your Brand?”.

Und Nische ist das Verhalten eh nicht mehr.

75,4 % der Befragten haben ChatGPT oder Ähnliches schon für einen Einkauf oder eine Kaufentscheidung genutzt. 80,4 % sagen, die Erfahrung habe ihre Erwartung erfüllt oder übertroffen. 55,6 % wollen es in den nächsten zwölf Monaten häufiger tun.

Bewegt hat sich nicht die KI, sondern deine Website

Hier liegt die Stelle, an der man den Report am leichtesten falsch liest.

In derselben Befragung ein Jahr davor lag die KI bei 41,1 % und der Direktbesuch auf der Markenseite bei 58,9 %.

Heißt, der KI-Anteil ist von 41,1 % auf 41,4 % gegangen. 0,3 Punkte in einem Jahr — das als echte Bewegung zu verkaufen, wird schwierig.

Bewegt hat sich die andere Seite. Der Direktbesuch fiel von 58,9 % auf 38 %, also um rund 21 Punkte.

Der KI-Boom hat die Leute nicht abgezogen — die Gewohnheit, zuerst die Markenseite zu öffnen, ist einfach schwächer geworden.

Sprich: Die Reihenfolge hat sich gedreht, weil der Vordermann eingebrochen ist, nicht weil der Hintermann beschleunigt hat. Wie beim Marathon, wenn du einen Platz gutmachst und hinterher in der Auswertung siehst, dass du dein Tempo gehalten hast und der andere eingegangen ist.

Und dieser Unterschied entscheidet, wo dein Geld hingehört. Bevor du dem Wachstum im KI-Kanal hinterherläufst, ist die schärfere Frage: Wo suchen sich die Leute, die früher deine Adresse getippt haben, heute ihre ersten Kandidaten aus?

Wofür die Leute die KI beim Einkaufen tatsächlich nutzen

Der größte Anwendungsfall ist der Vergleich von Funktionen und Preisen: 48 %. Danach kommen die Suche nach Angeboten und Rabatten (46 %) und die Ideensuche (41 %).

Dass ausgerechnet der Vergleich vorn liegt, hat für eine Marke eine sehr konkrete Bedeutung.

Vergleichen heißt ja: ein paar Kandidaten nebeneinanderlegen und aussortieren. Die KI spielt hier also nicht Gesprächspartner, sondern baut die Shortlist — die engere Auswahl — gleich selbst.

Und auf eine Shortlist, auf der du nicht stehst, kommst du nachträglich nicht mehr drauf.

Das Verhalten zieht mit: 60,8 % fühlen sich bei Kaufentscheidungen sicherer, 39,5 % kaufen häufiger, 37,5 % geben insgesamt mehr aus.

Leg die 80,4 % „Erwartung erfüllt oder übertroffen” neben die 60,8 % „mehr Sicherheit” — als vorübergehende Spielerei lässt sich das schwer abtun.

Wie viel Gewicht diese Zahlen tragen

Da muss man halt ehrlich sein.

Bloomreach verkauft Personalisierung und KI-Suche für den Handel. „KI-Commerce wird Normalität” ist ein Fazit, an dem die Firma verdient — dieses kommerzielle Interesse steckt im Fragebogen mit drin.

Dazu kommt: Es sind Selbstauskünfte aus einem Online-Panel, und befragt wurden Verbraucher in den USA und Großbritannien. Gemessen hat niemand echtes Verhalten, und gemessen hat auch niemand deinen Markt — es sei denn, dein Markt sind genau diese beiden.

Niveaus wie 41,4 % oder 75,4 % liest man also besser als Obergrenze, nicht als Normalwert.

Aber der Unterschied zwischen zwei Jahren desselben Fragebogens hält mehr aus als jedes einzelne Niveau. Denn der Bias des Auftraggebers wirkt in beiden Jahren gleich.

Und dieser Unterschied ist der von oben: KI flach, Direktbesuch rund 21 Punkte runter. Der Teil überlebt den Abschlag.

Miss nach, ob du überhaupt noch auf der Shortlist stehst

Deine Arbeit an der Website war deshalb ja nicht umsonst. Alles, was Ankommende hält, hält sie weiterhin.

Verschoben hat sich der Schritt davor. Der Vergleich wandert in die KI-Antwort, und wer dort nicht vorkommt, dessen Website wird gar nicht erst bewertet.

Blöd ist nur: „Sind wir noch im Rennen?” ist keine Frage, die deine Analytics dir beantworten können. Die fangen ja erst an zu zählen, wenn dich jemand schon ausgewählt hat. Die Spuren der KI landen obendrein meist unter Markensuche und Direkt-Traffic — das hab ich mir in der Studie angeschaut, in der eine ChatGPT-Nennung 2,5-mal so viele Besuche brachte.

Ich würde es deshalb auf zwei Handgriffe eindampfen:

  • Schreib rund zehn Vergleichsfragen auf, die ein echter Käufer zu deiner Kategorie eintippen würde
  • Stell sie monatlich unter gleichen Bedingungen und zähl, in wie viel Prozent der Antworten dein Name fällt

Der Punkt ist nicht, einmal zu fragen, wenn es dir gerade einfällt. Der Punkt ist derselbe Satz Fragen im selben Takt — ein einzelnes „wir waren drin!” sagt dir über den Trend nämlich gar nichts.

Und wenn dich eher umtreibt, ob deine Seite die Leute überhaupt empfangen kann, die dir die KI schickt: Da passt der Beitrag über Produktseiten, die die KI nicht lesen kann besser.


Quellen

  • Bloomreach, „From Novelty to Necessity: New Bloomreach Consumer Survey Finds Shoppers Now Prefer AI Tools to Shop”, 22. Juli 2026, bloomreach.com (der Report „Is AI Usurping Your Brand?” liegt unter bloomreach.com/en/agentic-commerce-report. Methode: Online-Panel-Befragung von 4.040 Erwachsenen ab 18 Jahren aus den USA und Großbritannien, erhoben vom 11. bis 21. Mai 2026 von Propeller Insights im Auftrag von Bloomreach. Vorbehalte: Bloomreach verkauft Personalisierungs-Software und KI-Suche für den Handel und hat damit ein kommerzielles Interesse am Fazit, dass KI-Commerce zur Normalität wird. Die Antworten sind Selbstauskünfte, befragt wurden Verbraucher in den USA und Großbritannien — eine Messung anderer Märkte ist das nicht.)
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