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91 Prozent haben ihre KI-Suchstrategie schriftlich. Schauen wir mal, welche Zeile darin fehlt

POINT Kernpunkte
  • 73 Prozent haben in ein Tool investiert, 45 Prozent prüfen die Sichtbarkeit
  • Drei Messgrößen stehen zur Wahl, eine reicht für den Plan

„Und woran sehen wir, ob das was bringt?“

Das Kapitel zur KI-Suche steht im Plan fürs kommende Jahr. Überschrift sitzt, Maßnahmen sind aufgelistet, jemand hat sogar ein Budget danebengeschrieben.

Weiter unten, wo stehen müsste, woran ihr im Frühjahr merkt, dass es gewirkt hat, ist die Zeile leer.

Bei mir stand dort letztes Jahr „legen wir unterwegs fest“. Ein halbes Jahr später stand es immer noch da, und nachgefragt hat in der ganzen Zeit halt auch keiner.

Ist die Stelle in eurem eigenen Plan gefüllt? Genau danach sind 602 Leute aus Marketing und PR in den USA gefragt worden.

Wie viele prüfen wirklich nach, ob ihre KI-Sichtbarkeit steigt?

45 Prozent. So viele geben an, ihre Sichtbarkeit in KI-Antworten tatsächlich zu überprüfen, und 60 Prozent sagen, dass sie die Quellen unter diesen Antworten nicht analysieren (Scrunch, 16. Juli 2026).

Eine schriftlich festgehaltene Strategie für die KI-Suche haben dagegen 91 Prozent. Beim Planen sind also schon fast alle angekommen, beim Zählen bleibt es auf halber Höhe stehen.

Befragt wurden 602 Fachleute aus Marketing und PR in den USA, Unternehmen und Agenturen gemischt. Es ist eine Selbstauskunft: Die Leute haben angekreuzt, was sie über sich sagen, nachgemessen hat das niemand.

Unter einer KI-Antwort steht oft eine Liste von Seiten, aus denen die Auskunft stammt. Das sind die Quellen — und ob dort deine Marke steht oder die des Wettbewerbers, entscheidet, an welcher Stelle du danach weiterarbeitest.

Die Planungsseite ist im Markt angekommen, die Zählseite noch nicht.

„Wir kriegen das hin“ und „keine Ahnung, ob es stimmt“

84 Prozent halten es für machbar, die Antworten der KI über die eigene Marke zu beeinflussen. Gleichzeitig sind sich 51 Prozent nicht sicher, ob ihre Strategie die richtige ist.

62 Prozent haben das Gefühl, hinter dem Wettbewerb zu liegen. Der Druck ist eben da, die Zuversicht auch. Beides bleibt aber Gefühl, denn es fehlt die Zahl, die zurückmeldet, wo ihr gerade steht.

Ein Werkzeug zu kaufen macht aus dem Gefühl offenbar noch keine Zahl: In Tools investiert haben 73 Prozent, überprüft wird bei 45 Prozent.

Ein Tool im Haus zu haben und seine Zahlen zu lesen sind zwei verschiedene Arbeitsschritte.

Das Tool, für das ihr zahlt — wann hat da zuletzt jemand reingeschaut? Über die Bohrmaschine im Keller heißt es ja, sie laufe in ihrem ganzen Leben nur ein paar Minuten. Angeschafft ist sie schnell, und im Regal sieht sie wohl nach erledigter Arbeit aus.

Was heißt „nachgeprüft“ eigentlich?

Bei mir stehen drei Größen im Plan. Die Umfrage legt nämlich nirgends fest, was Nachprüfen heißen soll, also zurrt man es besser im eigenen Haus fest.

  • Nennungsquote: dieselbe Frage mehrfach an ein Modell schicken und zählen, in wie vielen Antworten dein Name vorkommt. Einmal im Monat genügt.
  • Zusammensetzung der Quellen: die Domains notieren, die unter den Antworten stehen, und das Verhältnis von Fachmedien, eigenen Seiten und Nutzerforen ansehen. Ebenfalls monatlich.
  • Abstand zwischen den Modellen: dieselbe Frage an ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity, einmal im Quartal, damit du siehst, wo die Antworten auseinanderlaufen.

Heißt, du nimmst dir eine davon und lässt die anderen beiden erst mal liegen. Die Nennungsquote sagt dir schlicht, bei wie vielen deiner Fragen dein Name überhaupt fällt.

Eine einzelne Antwort zeigt dir eine Platzierung, noch lange kein Muster.

Wenn die Zahl im Haus herumgereicht wird, gehört in denselben Satz, wie oft gefragt wurde, welches Modell geantwortet hat und wann gemessen wurde. Ohne diese drei Angaben lässt sie sich im nächsten Quartal mit nichts vergleichen.

Wie weit trägt diese Zahl bis zu dir?

Nicht bis zu einem Prozentwert für den deutschsprachigen Markt. Fünf Dinge stehen zwischen dieser Umfrage und deiner Folie, und ich würde alle fünf stehen lassen.

  • Es ist eine Selbstauskunft und keine Messung. Ausgewertet wurden keine Protokolle, die Angaben stammen von den Befragten selbst.
  • Befragt wurden ausschließlich Fachleute in den USA. Wie sich das hierzulande verteilt, hat schlicht niemand erhoben.
  • Wie die 602 Personen zusammengekommen sind, also wer wo angesprochen wurde, steht nirgends. Ohne diese Angabe lässt sich nicht sagen, wohin die Stichprobe kippt.
  • Scrunch verkauft selbst Werkzeuge zur Messung von KI-Sichtbarkeit. Ein Ergebnis, das „es wird zu wenig gemessen“ nahelegt, passt dem Herausgeber gut ins Geschäft.
  • Was „überprüfen“ und „Quellen analysieren“ heißen sollen, definiert die Umfrage nicht. Wer einmal im Jahr kurz draufschaut, darf sich genauso zu den 45 Prozent zählen.

Zur Methode steht immerhin etwas dabei: erhoben vom 19. Mai bis zum 2. Juni 2026, Konfidenzniveau 95 Prozent, Fehlerspanne ±4 Prozent. Diese Spanne beschreibt, wie weit der wahre Wert um die genannten Anteile herum liegen kann, und sie gilt für die US-Stichprobe.

Übrig bleibt das Verhältnis: Planen und Nachprüfen können in ein und derselben Gruppe fast um den Faktor zwei auseinanderliegen. Ob das bei euch auch so ist, siehst du heute Nachmittag — das Dokument liegt ja im Laufwerk.

Erst die Zählzeile, dann die nächste Maßnahme

In den Plan kommt eine Zeile mit drei Angaben: was ihr zählt, wie oft, auf welchem Modell.

Nimm dafür eine der drei Größen von oben, am liebsten die, deren Ergebnis eure Entscheidung wirklich verändern würde. Nennungsquote und Zusammensetzung der Quellen laufen im Monatsrhythmus mit — nach einem halben Jahr liegen sechs Punkte auf einer Linie, und ihr könnt zum ersten Mal sagen, in welche Richtung es geht.

Beim Planen ist der Markt fast vollzählig, 91 Prozent. Ob ihr auf der Zählseite mitkommt, entscheidet die leere Zeile in eurem eigenen Dokument, und die füllt ihr heute aus.


Quellen

  • Eric Wendt (Scrunch), “The AI confidence trap: Key takeaways from our 2026 AI search survey”, Scrunch Blog, 16. Juli 2026 (Grenze: Der Herausgeber Scrunch verkauft selbst Werkzeuge zur Messung von KI-Sichtbarkeit und hat damit ein geschäftliches Interesse an dem Befund, dass zu wenig gemessen wird.)
  • Scrunch / Scribewise, “Moving fast, flying blind: What 600-plus marketing and PR professionals reveal about the gap between AI search confidence and AI search competence” (2026 AI Search Survey, die Erhebung selbst), Scrunch, zuletzt aktualisiert 16. Juli 2026, https://scrunch.com/guides/2026-ai-search-survey (Befragt wurden 602 Fachleute aus Marketing und PR in den USA, Unternehmen und Agenturen gemischt; Erhebungszeitraum 19. Mai bis 2. Juni 2026, Konfidenzniveau 95 Prozent, Fehlerspanne ±4 Prozent. Es handelt sich um eine Selbstauskunft und nicht um eine Messung. Wie die Stichprobe zustande kam, ist nicht veröffentlicht; „überprüfen“ und „Quellen analysieren“ werden nicht definiert.)
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