„Die KI beantwortet das doch schon — Klicks kommen da keine mehr”
Der Satz fiel, während wir die Posten fürs nächste Jahr durchgingen. Ich hatte nichts dagegenzuhalten und hab geschwiegen.
Er ist ja auch nicht aus der Luft gegriffen. Die Zusammenfassung steht oben, Zero-Click ist längst ein Wort, das bei uns in Meetings fällt — gemeint ist damit: Die Frage ist auf der Ergebnisseite beantwortet, ein Besuch auf einer Website findet nicht mehr statt.
Nur zieht dieser Satz mehr nach sich, als er sagt. Wer ihn stehen lässt, braucht auch nicht mehr zu messen, ob die Modelle den eigenen Namen überhaupt nennen.
Also hab ich nachgesehen, was die Leute nach der KI-Antwort tatsächlich tun.
Kaufen die Leute direkt aus der KI-Antwort heraus?
Nein. In einer Befragung von 1.008 Konsumentinnen und Konsumenten in den USA werden vor einer Kaufentscheidung im Schnitt 2,4 Plattformen geprüft.
Und dort, wo eine KI-Zusammenfassung erschien, lasen 49 Prozent sie und klickten trotzdem gelegentlich weiter.
Plattform meint hier schlicht die Orte, an denen jemand Informationen holt: Suche, soziale Netzwerke, Bewertungsportale, Shops.
Wie sich die 2,4 zusammensetzen, ist nicht veröffentlicht. Belegt ist nur das eine: Bei einer Station ist nicht Schluss.
Wer hat da gezählt, und wie wurde gefragt?
Erhoben hat das Fractl, eine Content-Marketing-Agentur aus den USA, veröffentlicht 2026. Befragt wurden 1.008 Konsumentinnen und Konsumenten sowie 150 Marketerinnen und Marketer (frac.tl).
Die Anlage ist ein Jahresvergleich: dieselben Fragen wie 2025, ein Jahr später noch einmal gestellt.
Aus derselben Erhebung: 70 Prozent geben an, KI bei der Suche mehr zu nutzen als im Vorjahr.
Die Nutzung steigt, und entschieden wird trotzdem nicht allein aus der KI-Antwort. Beides steht in derselben Befragung nebeneinander.
Was „im Schnitt 2,4” für deine Arbeit bedeutet
Genannt zu werden ist nicht das Ende des Kaufwegs, sondern der Eingang.
Wer deinen Namen dort gelesen hat, sucht danach nach dem Unternehmen, öffnet die Website direkt, liest Bewertungen.
In deiner Auswertung landet nichts davon unter KI. Der letzte geklickte Weg heißt dann Markensuche oder Direktzugriff.
Du zählst also die Leute an der Kasse und niemanden an der Tür. Dass die Zahlen nicht zusammenpassen, ist da wenig überraschend.
Wer allein auf die KI-Spalte schaut und „bringt nichts” sagt, streicht damit genau den Teil, der gewirkt hat.
Das Vertrauen in KI sinkt — die Zahl der Stationen nicht
„KI ist nützlicher als die klassische Suche” sagten im Vorjahr 82 Prozent, jetzt sind es 54. Die Gegenseite, „nicht nützlich”, wuchs von 3 auf 17 Prozent.
Dass das Vertrauen in eine Lieblingsmarke leidet, wenn sie im Marketing stark auf KI setzt, sagen 40 Prozent — 2025 waren es 20. Eine Verdopplung in zwölf Monaten.
Warum schrumpft die Zahl der geprüften Stationen dann nicht?
Weil sinkendes Vertrauen genau in die andere Richtung wirkt. Wer misstraut, braucht Orte zum Gegenchecken — und prüft eher mehr als weniger.
Damit wird das, was die Modelle über dich sagen, zu etwas, das man nicht liegen lassen kann. Am teuersten ist der Zustand, in dem etwas Falsches über dich im Umlauf ist und niemand es bemerkt.
14 Prozent der befragten Marketerinnen und Marketer berichteten, dass Fehler der KI sich auf Kundenbeziehungen oder Umsatz ausgewirkt haben.
Vier Sätze, die vor diese Zahl gehören
Fractl verkauft Content-Marketing. „Investiert in eure Sichtbarkeit in der KI-Suche” ist die Schlussfolgerung, die zum eigenen Geschäft passt.
Befragt wurden Menschen in den USA. Ob in einem deutschsprachigen Markt ebenfalls 2,4 herauskäme, sagt diese Erhebung nicht.
Und es sind Selbstauskünfte, keine Verhaltensdaten. Auch die 2,4 sind die Zahl, die jemand für sich angegeben hat.
Der Herausgeber benennt die Grenzen der Erhebung nicht; zur Methode steht dort nur der Jahresvergleich über gleiche Fragen.
Ich stelle diese vier voran, bevor ich die Zahl zeige. Das ändert, wie im Raum damit umgegangen wird.
Leg die KI-Sichtbarkeit neben Markensuche und Direktzugriffe
Wenn du eine Sache mitnimmst, dann die: nicht an einer Stelle allein nachsehen.
Wie dein Name in den KI-Antworten vorkommt. Die Markensuchen derselben Woche. Die Direktzugriffe. Drei Kurven, ein Bild, zeitlich aneinandergelegt.
Markensuche heißt: Jemand tippt den Firmen- oder Markennamen selbst ein. Das kann nur, wer den Namen vorher irgendwo gelesen hat — deshalb zeigt sich die Wirkung des Eingangs dort mit Verzögerung.
Die 2,4 sagen im Kern: Die Spur derer, die dich in einer KI-Antwort gesehen haben, liegt woanders. Legst du die Kurven nicht nebeneinander, verschwindet sie unbemerkt.
Und für den Satz aus der Budgetrunde hast du dann zwei Zahlen parat: 2,4 Stationen und 49 Prozent.
Quellen
- Fractl, „AI Search Consumer Trust Study: Brand Visibility Strategies for 2026”, 2026, frac.tl (Befragung von 1.008 Konsumentinnen und Konsumenten sowie 150 Marketerinnen und Marketern in den USA; vor einer Kaufentscheidung werden im Schnitt 2,4 Plattformen geprüft, 49 Prozent lesen eine KI-Zusammenfassung und klicken gelegentlich weiter, 70 Prozent nutzen KI bei der Suche mehr als im Vorjahr. „KI ist nützlicher als die klassische Suche” fiel von 82 auf 54 Prozent, „nicht nützlich” stieg von 3 auf 17 Prozent, Vertrauensverlust bei starkem KI-Einsatz einer Lieblingsmarke stieg von 20 auf 40 Prozent, 14 Prozent der Marketerinnen und Marketer berichteten von Auswirkungen KI-seitiger Fehler auf Kundenbeziehungen oder Umsatz. Anlage: Jahresvergleich mit gleichen Fragen wie 2025; Selbstauskünfte, keine Verhaltensdaten; nur US-Markt; Grenzen der Erhebung vom Herausgeber nicht benannt; Fractl verkauft Content-Marketing.)