„Social ist Bekanntheit. KI ist ein eigener Posten”
Der Satz fällt bei der Jahresplanung, und niemand hebt die Hand.
Strukturierte Daten auf der eigenen Seite kommen ins KI-Kästchen, der Social-Kalender ins Bekanntheits-Kästchen. Das ist sauber, das übersteht die Runde mit dem Controlling, und ich hab diese Tabelle selbst mehr als einmal gebaut — die eine Hälfte des Budgets auf Maschinen gerichtet, die andere auf Menschen.
Dann hat jemand nachgezählt, woher die Assistenten ihre Sätze eigentlich nehmen, wenn die Frage aus dem Arbeitsleben kommt. Und die Linie zwischen den beiden Kästchen hielt nicht mehr.
Die meistzitierte Quelle war keine Firmenwebsite. Es war eine Social-Plattform.
Drei Monate, 1,4 Millionen Zitate, sechs Assistenten.
Aus welcher Domain zitieren die Modelle bei Arbeitsfragen?
Aus LinkedIn. Und zwar auf allen sechs gemessenen Plattformen, was es eben schwer macht, das als Marotte eines einzelnen Modells abzutun.
Die sechs waren ChatGPT, Gemini, Google AI Overviews, Google AI Mode, Microsoft Copilot und Perplexity. In der Gesamtrangliste der Domains bei ChatGPT kletterte LinkedIn im selben Zeitraum von rund Platz 11 auf Platz 5 (die Untersuchung, Profound, veröffentlicht am 9. März 2026, Daten vom 15. November 2025 bis 15. Februar 2026).
Die Firma selbst nennt das die größte Verschiebung von Domain-Autorität, die sie im ganzen Jahr beobachtet hat. Ein Platz, der sich in zwölf Monaten so weit bewegt, gehört auf die Beobachtungsliste.
Ein „Zitat” heißt hier schlicht: die Quelle, auf die sich der Assistent beim Bauen seiner Antwort gestützt hat. Sprich: Was da steht, geht in die Antwort ein, die jemand über deine Branche liest.
Eine Fläche, die dir gar nicht gehört, bestimmt also mit, was das Modell über dich erzählt.
Der zitierte Teil von LinkedIn hat sich verschoben
Im selben Dreimonatsfenster wurden die LinkedIn-Zitate zusätzlich danach aufgeteilt, was für eine Seite da jeweils herangezogen wurde:
- Firmen- und Personenprofile: 33,9 % → 14,5 %
- Beiträge (Posts): 20,9 % → 26,0 %
- Lange Artikel: 6,0 % → 8,9 %
Die Profile verlieren 19,4 Punkte. Beiträge und lange Artikel zusammen gehen von 26,9 % auf 34,9 %, also acht Punkte rauf.
Heißt: Die Modelle sind von der Visitenkarten-Fläche weggerutscht, hin zu der Fläche, auf der sich mal jemand hingesetzt und was aufgeschrieben hat. Ein Profil ist ja vor allem eine Behauptung über dich selbst, ein Beitrag eine Behauptung, für die du argumentieren musstest — und daraus wird eine Stellschraube, an der Marketing tatsächlich drehen kann.
Ich hab jahrelang schöne Visitenkarten verteilt und nie geschaut, ob sie mal jemand umdreht. Tut ein bisschen weh, das.
Vier Sätze, die vor die Zahl gehören
Profound verkauft KI-Sichtbarkeitsmessung. „Miss deine KI-Zitate und handle danach” ist genau die Schlussfolgerung, die dieses Produkt verkauft — die Schlagseite rechnet man beim Lesen halt raus.
Die beiden Schlagzeilen-Zahlen kommen außerdem aus zwei verschiedenen Instrumenten. Die Domain-Rangliste stammt aus echten Nutzergesprächen; der erste Platz bei Arbeitsfragen ist eine strukturierte Messung über ein definiertes Themenset. Sie ergänzen sich, und dieselbe Kennzahl sind sie nicht. Also nicht in dieselbe Grafik.
Zwei Instrumente, zwei Zahlen, zwei Folien.
Gemessen wurde im englischsprachigen Raum. Wie die Zusammensetzung auf Deutsch aussieht, hat niemand gezählt, und ich würde nicht annehmen, dass die Rangfolge einfach mitwandert.
Bleibt das eigene Panel des Anbieters, ohne veröffentlichte Wiederholung durch Dritte.
Lässt man diese vier weg, läuft durchs Büro nur noch „LinkedIn ist wohl die Nummer eins” — so wird aus einem brauchbaren Befund eine schlechte Entscheidung. Ich sage die vier zuerst und hole dann die Zahl raus.
Zähl nach, wie viel zu deinen Themen außerhalb deiner Website lesbar ist
Nimm die drei Themen, zu denen dein Unternehmen fachlich wirklich sprechen kann. Dann such für jedes davon nach Text, den man lesen kann und der nicht auf deiner Domain liegt: Beiträge mit einem Namen darunter, richtige lange Artikel — nicht der Standardabsatz von der Unternehmensseite.
Kommt beim Zählen null heraus, dann zeigt diese Untersuchung genau auf diese Lücke. Nichts davon sagt, du sollst deine eigene Website vernachlässigen: Es ist schlicht eine Fläche dazugekommen, die jetzt zählt.
Und dann ist da noch der zweite Grund, warum ich das überhaupt schreibe. Die Impressionen deiner eigenen Beiträge siehst du, aber auf welchen Beitrag sich ein Assistent gestützt hat, während er jemandem geantwortet hat, siehst du nicht — das passiert auf der anderen Seite der Scheibe. Denn wenn du wissen willst, ob die Mühe etwas gebracht hat, musst du auf der Seite zählen, auf der die Antworten entstehen.
Quellen
- Profound, „LinkedIn is the most-cited domain for professional queries in AI search”, veröffentlicht am 9. März 2026, tryprofound.com (1,4 Millionen Zitate, erhoben vom 15. November 2025 bis 15. Februar 2026 über ChatGPT, Gemini, Google AI Overviews, Google AI Mode, Microsoft Copilot und Perplexity. LinkedIn war bei beruflichen Fragen auf allen sechs Plattformen die meistzitierte Quelle und stieg in der Gesamtrangliste der Domains bei ChatGPT von rund Platz 11 auf Platz 5. Innerhalb von LinkedIn fielen die zitierten Profile von 33,9 % auf 14,5 %, während Beiträge von 20,9 % auf 26,0 % und lange Artikel von 6,0 % auf 8,9 % stiegen. Domain-Rangliste und Rangliste der beruflichen Fragen werden mit unterschiedlichen Methoden gemessen und sind nicht dieselbe Kennzahl; gemessen wurde nur im englischsprachigen Raum; die Daten stammen aus dem eigenen Panel von Profound, eine Wiederholung durch Dritte ist nicht veröffentlicht; Profound verkauft KI-Sichtbarkeitsmessung.)