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Das „Welche Seite baut man für die KI?"-Problem, mal mit 25.000 Zitaten angeschaut

POINT Kernpunkte
  • Listicles 61 % bei B2B-Tech, Startseite 55 % bei Schönheitskliniken
  • Vergleichsseiten werden pro Abruf 45 % öfter zitiert, Anteil nur 4,1 %

„Okay — und was für eine Seite müssen wir jetzt bauen, damit die KI uns zitiert?”

Die Frage kommt in letzter Zeit ständig. Und eine saubere Antwort hab ich bisher auch nicht gehabt.

Ratschläge gibt’s ja genug. Mach Listicles. Schreib mehr Blogartikel. Bau ein Ressourcen-Center.

Nur: Ob das für deine Firma stimmt, ist eine ganz andere Frage. Und die prüft irgendwie keiner nach.

Ging mir genauso — einem B2B-Softwareanbieter und einer Kette von Schönheitskliniken dieselbe Checkliste in die Hand zu drücken, kam mir immer schon reichlich schlampig vor. Sprich: eine Schuluniform in Einheitsgröße für alle.

Genau die Frage hat sich jetzt mal jemand mit 25.337 echten Zitaten aus fünf verschiedenen KI-Systemen angeschaut. Schauen wir rein.

Neunzig Tage, fünf KI-Systeme, 25.337 Zitate

Die Analyse kommt von DeltaV Digital, einer Agentur für KI-Suche (zur Studie).

Gemessen wurde vom 14. April bis zum 13. Juli 2026, also 90 Tage. In dieser Zeit kamen 21.075 KI-Antworten zusammen, aus denen 25.337 Zitate extrahiert wurden.

Die Systeme: ChatGPT, Perplexity, Gemini, Google AI Overviews und Google AI Mode. Die Branchen: acht Stück, darunter B2B-Technologiedienstleistungen, Endkunden-Automotive, Hochschulbildung und ästhetische Medizin.

Zwei Kennzahlen tragen die ganze Auswertung:

  • : wie viel Prozent aller Zitate auf einen Seitentyp entfallen
  • : wie oft die KI eine Seite wirklich zitiert, pro Abruf

Die Zitier-Quote ist im Kern eine Trefferquote. Das Modell kommt vorbei, liest — und baut die Seite dann entweder in die Antwort ein oder eben nicht.

Wohlgemerkt: DeltaV verkauft KI-Suchdienstleistungen, und gemessen wurde mit einem KI-Sichtbarkeits-Tool (Peec AI). Das Fazit „investiert in KI-Sichtbarkeit” ist da sozusagen eingebaut. Die Zahlen also mit einem Abschlag lesen.

Der Schnitt sagt „Artikel und Listen”. Die Trefferquote sagt was anderes.

Erst mal alle acht Marken zusammen. Nach Zitat-Anteil sortiert sieht die Spitze genau aus wie der Standard-Ratschlag:

  • Artikel: 23,7 %
  • Listicles: 19,6 %
  • Produktseiten: 16,3 %

So weit hält „schreib Artikel und Listen” der Prüfung stand.

Sortier dasselbe aber nach Zitier-Quote — der Trefferquote —, und das Bild kippt.

Ganz oben steht die Vergleichsseite mit einer Quote von 1,87, rund 45 % über dem Gesamtschnitt.

Und ihr Anteil an allen Zitaten? Ganze 4,1 %.

Das ist eine seltsame Kombination. Die Seite, die am zuverlässigsten übernommen wird, baut fast keiner. Heißt, das Regal steht leer.

Nach Branchen aufgeklappt wechselt der Hauptdarsteller komplett

Und jetzt der Teil, der wirklich ändert, was du Montag machst.

Klappt man dieselben Daten nach Branche auf, wechselt der Seitentyp, der die Zitate einsammelt, sauber durch:

  • B2B-Technologiedienstleistungen: Listicles, 61 %
  • Ästhetische Medizin mit mehreren Standorten: die Startseite, 55 %
  • Gesundheits-NPO: Artikel, 54 %
  • Hochschulbildung: Studiengangs- und Programmseiten, 53 %
  • Endkunden-Automotive: Artikel plus Listicles, zusammen 64 %

Die Studie nennt das den „Zitier-Fingerabdruck” einer Branche. Fingerabdruck deshalb, weil jede Branche ein anderes Muster hinterlässt.

Dass ausgerechnet bei Schönheitskliniken die Startseite das meistzitierte Asset ist, hätte ich nicht vorhergesagt. Aber es heißt: Bevor jemand einen Redaktionsplan aufsetzt, bringt es womöglich mehr, die Startseite in Ordnung zu bringen.

Der Gesamtschnitt war also das Gesicht von genau niemandem.

Manche Branchen spielen zu Hause. Eine steht gar nicht erst auf dem Platz.

Es gibt noch eine zweite Zahl, und die zeigt direkt aufs Budget.

Der Anteil der Zitate, die auf der eigenen Domain der Marke landen, geht weit auseinander:

  • Hochschulbildung: 74,7 %
  • Spezial-Lebensmittel: 18,9 %
  • Endkunden-Automotive: 7,4 %
  • B2B-Technologiedienstleistungen: 0,0 %

Hochschulen spielen praktisch im eigenen Stadion. B2B-Technologiedienstleistungen stehen nicht mal auf dem Platz.

Denn in diesem B2B-Feld war die meistzitierte Domain LinkedIn, mit 736 Zitaten. Und Reddit tauchte bei sieben von acht Marken unter den Top-Quellen auf.

Sprich: „Lass uns mehr im eigenen Blog veröffentlichen” ist in manchen Branchen schlicht der falsche Reflex. Da musst du dahin, wo Dritte schon sind.

Ein Unterschied gehört noch dazu: von einer KI gelesen zu werden und von ihr zitiert zu werden sind zwei Paar Schuhe. Bei denselben Gesundheitsfragen wird WebMD ständig abgerufen und liegt trotzdem bei einer Zitier-Quote von 0,33. Die Mayo Clinic kommt auf 1,79, die CDC auf 1,85.

Das Modell kommt, liest, geht wieder. Abruf und Zitat brauchen im Reporting zwei getrennte Spalten.

Wie viel können acht Marken überhaupt sagen?

Jetzt noch die Stelle, die die Sache ehrlich hält.

Die Studie umfasst insgesamt acht Marken. Eine pro Branche.

„B2B-Technologiedienstleistungen: Listicles 61 %” ist also in Wahrheit die Beobachtung einer einzigen Firma. Das als Branchenwert zu behandeln, wäre schon arg gewagt — aus acht Datenpunkten werden halt keine acht Benchmarks.

Und wie gesagt: Der Herausgeber verkauft KI-Suchdienstleistungen.

Deshalb kann das Fazit nicht „B2B macht jetzt Listicles” lauten. Daraus eine neue allgemeingültige Checkliste zu bauen, legt nur eine weitere auf den Stapel — genau das Problem, das die Studie dokumentiert.

Kann sein, dass ich falsch einschätze, wie weit diese konkreten Prozentwerte tragen. Die kleinere Aussage hält aber: Welcher Seitentyp zitiert wird, ändert sich tatsächlich mit der Branche, und dafür gibt es jetzt Daten. Genau das ist das Argument dafür, die eigene Kategorie zu messen.

Fazit: Die eigene Branche messen, statt fremde Rezepte zu kopieren

Wenn ein Ratschlag zur KI-Sichtbarkeit bei dir nicht greift, muss der Ratschlag nicht falsch sein. Er ist ein Durchschnitt, der als Rezept verteilt wird — in einem Feld, in dem sich das Zitiermuster mit der Branche verschiebt.

Eine Branche, in der 74,7 % deiner Zitate auf der eigenen Seite liegen, und eine mit 0,0 % haben nicht dasselbe Problem. Ein Budget festzulegen, ohne zu wissen, in welcher von beiden man steckt, ist im Wesentlichen Raten.

Bleibt also, selbst zu messen, welche Seitentypen die KI in deiner Kategorie zitiert. Regelmäßig, mit eigenen Zahlen statt mit der Fallstudie von jemand anderem. Und dann selbst eine Vergleichsseite veröffentlichen: dieses Regal stand in allen Branchen leer, bei einer Zitier-Quote von 1,87 und nur 4,1 % Anteil.

Kennst du die Form, ist die Frage „was bauen wir?” keine Diskussion mehr. In Masse zu produzieren, ohne sie zu kennen, ist die teure Variante.

Dieselben Modelle, andere Branche, komplett anderer Zug. Hat schon was.


Quellen

  • DeltaV Digital, „AI search citations study: what 25,000+ citations reveal”, 2026, deltavdigital.com (90-Tage-Zeitraum vom 14. April bis 13. Juli 2026; 21.075 KI-Antworten erhoben, daraus 25.337 Zitate extrahiert, über ChatGPT, Perplexity, Gemini, Google AI Overviews und Google AI Mode. Acht Marken aus acht Branchen; je Marke wurden die 30 meistzitierten URLs und die 30 meistzitierten Domains klassifiziert, insgesamt 240 URLs und 240 Domains. Zitat-Anteil nach Seitentyp: Artikel 23,7 %, Listicles 19,6 %, Produktseiten 16,3 %. Bei der Zitier-Quote führt die Vergleichsseite mit 1,87, ihr Zitat-Anteil liegt bei 4,1 %. Nach Branche: B2B-Technologiedienstleistungen Listicles 61 %, ästhetische Medizin Startseite 55 %, Gesundheits-NPO Artikel 54 %, Hochschulbildung Programmseiten 53 %, Endkunden-Automotive Artikel plus Listicles 64 %. Der Anteil der Zitate auf der eigenen Domain reicht von 74,7 % (Hochschulbildung) bis 0,0 % (B2B-Technologiedienstleistungen). Meistzitierte Domain bei B2B-Technologiedienstleistungen war LinkedIn mit 736 Zitaten; Reddit erschien bei sieben von acht Marken unter den Top-Zitierquellen. Zitier-Quoten bei denselben Anfragen: WebMD 0,33, Mayo Clinic 1,79, CDC 1,85. Datenerhebung über Peec AI. Einschränkungen: acht Marken, eine je Branche, die Werte sind also keine Branchen-Benchmarks; der Herausgeber ist eine Agentur, die KI-Such- und SEO-Dienstleistungen verkauft.)
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