ChatGPT empfiehlt jetzt Marken, also denkst du dir: Zeit, dass ich mich auch drum kümmere. Nur, je genauer du hinschaust, desto mehr fühlt es sich wieder nach SEO an. Deine Seiten nach oben schieben, halt für die KI statt für Google, und fertig. Oder?
Dachte ich ehrlich gesagt auch. Die KI liest ja das Web, also müssten die Seiten, die den Ranking-Kampf gewinnen, genau die sein, die sie aufgreift. Kam mir so selbstverständlich vor, dass ich gar nicht nachgefragt habe.
Aber dann kamen Daten, die ein Loch in die Idee „KI-Optimierung ist einfach SEO mit Extraschritten” reißen. Und kein Bauchgefühl, sondern ein ganz schöner Haufen Daten.
„Für die KI optimieren ist doch nur SEO, oder?”
Wer eine Menge Daten auf genau diese Frage geworfen hat, sind OppAlerts, mit einer Analyse namens LLM Ranking Factors, veröffentlicht im März 2026.
Der Umfang ist das Spannende. Sie haben 145 Branchen und 1.595 Käuferprofile modelliert, über 100.000 Prompts an KIs geschickt, um zu sehen, welche Marken empfohlen werden, und das Ganze dann mit einem Crawl von über 1,1 Milliarden Seiten und über 5 Milliarden Reddit-Posts abgeglichen.
Runtergebrochen stellten sie eine einzige Frage: Die Marken, die die KI empfiehlt, was haben die da draußen in der Welt eigentlich am Laufen? Sichtbarkeit in der Suche, Backlinks, ein Wikidata-Eintrag, Gerede auf Reddit. Heißt, man legt jeden äußeren Hinweis neben die Wahrscheinlichkeit, genannt zu werden, und schaut, was sich zusammen bewegt.
Ein Vorbehalt gleich vorweg: OppAlerts verkauft selbst Tools für KI-Sichtbarkeit, das ist also eine Studie in eigener Sache. Im Hinterkopf behalten. Aber schauen wir uns die Zahlen trotzdem an.
Was das Ranking schlägt, sind „die Fakten, die andere über dich halten”
Und was kam raus? Nicht das, was ich erwartet hatte.
Fangen wir mit dem an, worauf SEO-Leute starren: der Sichtbarkeit in der Suche. Die hilft, ein bisschen. Aber sie erklärt nur 5,8 % der Unterschiede zwischen den empfohlenen Marken. Backlinks liegen in derselben Ecke, ein paar Prozent und nicht mehr. Die Waffe, die alle seit Jahren schärfen, schlägt hier vor allem ins Leere.
Die Schwerarbeit erledigte in manchen Branchen ein Hinweis, an den fast kein Marketer denkt: Wikidata.
- Ein Wikidata-Eintrag: Korrelation von 0,65 bis 0,71 bei Hotels, ERP und Möbeln, weit vor allem anderen
- Sichtbarkeit in der Suche: Korrelation 0,24 (erklärt 5,8 %)
- Zahl der Backlinks: Korrelation 0,20 (erklärt 4,2 %)
Wikidata ist im Kern eine riesige, maschinenlesbare Datenbank mit schlichten Fakten über die Welt. Wann eine Firma gegründet wurde, wo sie sitzt, was sie wirklich macht. So eine strukturierte Ausweis-Karte, das „wer ist das eigentlich”, an einem Ort, den die Maschinen lesen können.
Sprich: Die KI stützt sich weniger darauf, wo deine eigene Seite rankt, und mehr darauf, wie sauber und vollständig die Fakten sind, die andere über deine Marke halten. Die Filetlage lag gar nicht auf der Karte, die uns SEO zu lesen beigebracht hat.
Warum „wer du bist” das „wo du rankst” schlägt
Und jetzt der Teil, den ich echt spannend finde: Das sieht nicht nach einer Macke von OppAlerts allein aus.
Ahrefs hat eine eigene Analyse über 75.000 Marken gefahren, und was am engsten mit KI-Sichtbarkeit lief, waren auch dort nicht die Backlinks: Es waren schlichte Markennennungen im Web, rund dreimal stärker. Wie viel andere über dich reden, wie gut deine Fakten zusammenpassen. Das Zeug außerhalb deiner eigenen Seite kam immer wieder oben raus.
Und schaut man auf die Mechanik, macht es irgendwie klick. Eine Suchmaschine wählt, welche Seite oben steht. Eine KI wählt, welche Marke sie laut ausspricht. Das eine ist ein Duell Seite gegen Seite; das andere ein Duell darum, ob das Modell dich überhaupt als echtes, stimmiges Ding erkennt. Also greift es nach Marken mit klarer Identität, überall gleich erzählt. Denen, die es ohne Risiko nennen kann.
Setz dich mit deiner alten Siegformel an ein neues Brett, und du musst das Gewinnen neu lernen (ein bisschen so, als hätte jemand heimlich die Spielregeln getauscht, während du die Figuren aufgestellt hast). Starrst du nur auf die SEO-Tabelle, merkst du nicht mal, dass sich das Brett geändert hat.
Zwei Vorbehalte aber, und die zählen. Das ist Korrelation, kein Beweis: Keiner hat gezeigt, dass ein Wikidata-Eintrag mehr Empfehlungen verursacht. Und der Effekt schwankt halt stark je Branche; er trifft nicht jede Marke gleich. Das sag ich lieber ehrlich, als es wegzuwischen.
Fazit: Erst die Fakten pflegen, die andere über dich halten, dann deine KI-Nennungen messen
Also, was dir diese Analyse wirklich in die Hand gibt.
Der größte Takeaway: Das Spielfeld dafür, von der KI empfohlen zu werden, hat sich verschoben. Weg vom Ranking deiner eigenen Seite, hin zur Vollständigkeit der Marken-Infos, die außerhalb deiner Mauern liegen. In den Suchergebnissen zu klettern ist nicht plötzlich sinnlos. Aber allein läuft es an dem meisten vorbei, was die KI tatsächlich liest.
Wenn du einen konkreten ersten Schritt willst, fang bei der Faktenakte deiner Marke an. Sind Gründungsdatum, Standort und Geschäftsfeld korrekt und aktuell in einer Faktendatenbank wie Wikidata? Beschreiben dich fremde Seiten immer wieder gleich? Nichts Glamouröses. Aber genau das ist das Fundament dafür, dass die KI dich für stabil genug hält, dich ohne Zögern zu nennen.
Und das Zweite, das bloß nicht überspringen: messen. Du kannst jeden Fakt pflegen und trotzdem nicht wissen, ob es was gebracht hat, denn ein Ranking-Report zeigt es dir nicht. Schau, wie oft die KI deine Marke wirklich nennt, als Messwert neben deinen Keyword-Rankings. Erst wenn Maßnahme und Wirkung zusammenkommen, fängt das Ganze an, sich aufzuschaukeln.
Die Fakten pflegen, die die Welt über dich hält, und dann deine Präsenz in der KI messen. Die Filetlage dieser neuen Zeit liegt einen Schritt neben der Ranking-Tabelle. Und, glaube ich, ist noch erstaunlich frei.
Quellen
- OppAlerts, „LLM Ranking Factors”, März 2026, oppalerts.com (145 Branchen, 1.595 Käuferprofile, über 100.000 Prompts analysiert; Studie eines Anbieters von KI-Sichtbarkeits-Tools)
- Ahrefs, „Brand mentions vs. backlinks as predictors of AI visibility” (75.000 Marken analysiert; Markennennungen korrelierten rund 3-mal stärker als Backlinks), ahrefs.com