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‚Bei Google verlieren wir, bei der KI erst recht' — von wegen, gerade Platz 11 zählt

POINT Kernpunkte
  • Nur rund 38 % der KI-Zitate kommen aus den Google-Top-10
  • Sichtbarkeit getrennt vom Ranking messen wird jetzt Pflicht

„Bei Google kriegen wir kaum gute Platzierungen – und jetzt, wo alle ihre Produktfragen nur noch ChatGPT stellen, gehen wir erst recht unter.“ So einen Satz hör ich gerade ständig im Marketing.

Die Logik dahinter: Nur die großen Player, die in der Suche schon oben stehen, werden auch von der KI zitiert. Die Nachzügler fallen noch weiter zurück.

Und ich versteh das total. Wenn du beim Suchranking – der einen Messlatte, die jeder kapiert – schon hinten liegst, denkst du dir halt: Auf dem nächsten, neuen Spielfeld verlier ich dann eben auch.

Nur: Schaut man sich an, welche Seiten die KI tatsächlich zitiert, ist dieser Pessimismus vielleicht ein bisschen voreilig. Da bin ich der Sache mal nachgegangen.

„Platz 1 bei Google – und die KI nennt mich trotzdem nicht?“

Das Erste, was man verstehen muss: Oben in der Suche stehen und von der KI zitiert werden, das sind längst nicht mehr dieselben zwei Spiele.

AI-Sichtbarkeit heißt im Kern: wie oft deine Marke in den Antworten der KI überhaupt auftaucht – zitiert oder erwähnt. Und genau die koppelt sich gerade vom klassischen Ranking ab. Die Seite auf Platz 1 bei Google wird in der KI-Antwort mit keinem Wort erwähnt. Dafür taucht eine Seite, die in der Suche weit hinten lag, plötzlich als Quelle auf.

Diese Schere geht inzwischen an vielen Stellen auf. Heißt, das Ranking – unsere bisherige Messlatte – bildet die Sichtbarkeit im KI-Zeitalter eben nicht mehr eins zu eins ab.

Über 60 % der KI-Zitate kommen von Seiten unter Platz 10

Aber wie groß ist die Schere wirklich? Die „AI Overviews“ – das sind die KI-Zusammenfassungen, die Google oben über den normalen Suchtreffern einblendet – ziehen sich ihre Quellen aus irgendwelchen Seiten, und gleich mehrere Analysehäuser haben mit eigenen Daten gemessen, aus welchen.

  • Laut Ahrefs stammen nur rund 38 % der Zitate in den AI Overviews aus den Top-10-Suchtreffern – der Rest kommt von Platz 11 und tiefer.
  • 5W Research berichtet, dass die Überschneidung zwischen den Top-Google-Rankings und den von der KI zitierten Quellen von 70 % auf unter 20 % eingebrochen ist.
  • Das 16-Monats-Tracking von BrightEdge zeigt die Überschneidung zwar von 32 % auf 54 % steigend – aber der Großteil dieses Wachstums lag bei Seiten auf Platz 21 bis 100, und der Top-10-Anteil betrug nur rund 16,7 %.

Die Zahlen streuen ganz schön. Doch sie zeigen alle in dieselbe Richtung: Die KI schaut eben nicht nur auf die Spitzengruppe der Suche. Ob Platz 11 oder Platz 50 – die KI zitiert seelenruhig jede Seite, die sie für ihre Antwort brauchbar findet.

Ein Vorbehalt gehört dazu: Das sind allesamt kommerzielle Analysen, jede mit eigenem Panel, eigenem Zeitraum und einer eigenen Definition von „Zitat“. Die 38 % und die 16,7 % darf man also nicht direkt gegeneinander aufrechnen. Aber dass mehrere Untersuchungen mit derart unterschiedlichen Methoden geschlossen in dieselbe Richtung deuten – das darf man durchaus ernst nehmen.

Warum die KI sich nicht ans Ranking hält

Und warum nimmt die KI das Suchranking nicht einfach brav als Vorlage? Wer das versteht, tut sich mit den eigenen Maßnahmen gleich viel leichter.

Ein Hinweis steckt in einer anderen Zahl aus denselben Analysen: Schaut man auf den Zusammenhang zwischen der Textlänge einer Seite und ihrer Zitierwahrscheinlichkeit, ist die Korrelation nahezu null. Korrelation heißt im Kern: wie stark zwei Dinge miteinander mitwandern – steigt das eine, steigt das andere. Nahe null bedeutet also schlicht: Lang schreiben macht dich nicht zitierfähiger. Und auch die Bindung an die klassischen Ranking-Faktoren wird spürbar schwächer.

Die KI greift sich Seiten eben weniger danach, ob sie in der Suche oben stehen, sondern danach, ob direkt verwertbarer Inhalt für ihre Antwort drinsteht.

Genau darum dreht sich auch die Forschung zu GEO (Aggarwal et al., 2024). GEO heißt im Kern: Suchmaschinen-Optimierung, aber für die KI-Antwort statt für die blaue Google-Trefferliste. Und was sich dort konsistent als wirksam zeigt, sind keine SEO-Tricks, sondern fundierter, substanzieller Inhalt.

Die Technik, mit der du oben rankst, und der Inhalt, der dich zitierfähig macht, sind also schlicht nicht dasselbe. Eine Seite, die nur für den Suchalgorithmus aufpoliert wurde, winkt die KI ungerührt durch. Was eigentlich auch logisch ist.

Trotzdem: Reiß dein SEO jetzt bloß nicht ein

Jetzt könnte man denken: „Dann ist das Ranking ja eh egal.“ So einfach ist es halt nicht.

Der allergrößte Teil deines Traffics läuft auch in diesem Moment noch über die ganz normale Suche. Nur weil sich die KI-Zitate vom Ranking lösen, verschwinden die Besucher aus der klassischen Suche ja nicht über Nacht. Wer da panisch das SEO-Fundament rausreißt, macht es wie einer, der mitten im Hausumbau aus Übermut die tragende Wand mit wegklopft.

Es geht nicht ums Umsteigen, sondern ums Verlagern des Schwerpunkts. Das Ranking läuft als Fundament fürs bestehende Geschäft weiter – und in einem getrennten Budgettopf baust du parallel die „auf Zitiertwerden ausgelegte“ Arbeit auf. Dieses Nebeneinander ist der realistische Weg.

Fazit: Außerhalb der Rankingliste wartet noch Sichtbarkeit auf dich

Wenn du heute eine Sache mitnimmst, dann diese: Auch ein Unternehmen, das bei Google nie auf Platz 1 kommt, hat im KI-Zeitalter sehr wohl noch Sichtbarkeit zu holen.

Die KI zitiert eben auch von außerhalb der Top-10. Wer es im Ranking nie in die Spitzengruppe geschafft hat, kann mit fundiertem Inhalt trotzdem ins Spiel zurück – über das Zitat. Gerade für Nachzügler, die im reinen Platzierungsrennen nie durchkamen, ist das die eigentlich gute Nachricht.

Konkret läuft das auf zwei Dinge hinaus, genau zwei.

Erstens: Miss – getrennt vom Ranking – wie oft dich die KI überhaupt zitiert. Wer nur auf die Platzierungsliste glotzt, merkt weder, wo er schon zitiert wird, noch wo ihm reihenweise Zitate durch die Lappen gehen.

Zweitens: Pack auf deine Seiten Belege, die die KI direkt in ihre Antwort übernehmen kann. Konkrete Zahlen, Primärquellen als Beleg, klare Erklärungen – das ist das Fundament. Und behandle das bewusst als eigene Aufgabe, getrennt vom Hochranken.

Das Feld ist noch jung, harte Gewissheiten gibt es keine. Aber das „Wir ranken nicht, also haben wir bei der KI keine Chance“ ist – nach allem, was die Daten zeigen – eine ganz schön voreilige Resignation. Wenn dich das neugierig macht: Fang einfach mal damit an, deine wichtigsten Seiten daraufhin durchzuzählen, wie die KI sie zitiert.


Quellen

  • Ahrefs (2026), „Only 38% of Google AI Overview Citations Come From Top 10 Pages“ (via DesignRush), DesignRush
  • BrightEdge (2026), „AI Overview Citations and 16 months of AIO rank overlap“, BrightEdge
  • 5W Research (2026), „Overlap Between Top Google Rankings and AI-Cited Sources Has Collapsed From 70% to Under 20%“, PR Newswire
  • Aggarwal, P. et al. (2024), „GEO: Generative Engine Optimization“, KDD 2024, arXiv
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