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Für einen einzigen Besucher liest die KI 38.065 Seiten deiner Website

POINT Kernpunkte
  • Google gibt pro 5,4 Seiten einen Besucher zurück, Anthropic pro 38.065
  • Die Suche nach dem Markennamen hielt, als generische Anfragen über 20 % verloren

Die Seitenaufrufe sind stabil. Aber die Tür, durch die die Leute reinkommen, hat sich verschoben.

Immer seltener fängt ein Erstkontakt mit „hab euch gegoogelt” an. Die Suche nach deinem Markennamen hält sich, das Generische bröckelt langsam weg, und keiner kann sagen, woran es liegt.

Kennst du das? Ich hör diesen Satz gerade dauernd: „Organisch läuft irgendwie zäh.” Und auf die Frage „wie viel zäher denn?” kommt halt keine Zahl.

Nur: Es gibt womöglich eine sehr wörtliche Erklärung dafür, und sie läuft gerade auf deinem Server. Die KI-Firmen lesen deine Seite in einem Umfang, den dir kein Marketing-Dashboard je zeigt.

Und Cloudflare sitzt an genug Leitungen, um das schlicht mitzuzählen. Schauen wir uns mal an, was da rauskam.

Was das Crawl-to-Refer-Verhältnis eigentlich misst

Cloudflare hat eine Kennzahl veröffentlicht, das Crawl-to-Refer-Verhältnis (die Daten).

Heißt im Kern: Wie viele Seiten deiner Website hat eine bestimmte KI-Firma gelesen — geteilt durch die Besucher, die dir das Produkt derselben Firma tatsächlich geschickt hat.

Sprich: Je größer die Zahl, desto mehr gilt „liest viel, gibt fast nichts zurück”.

Denn über Cloudflares Netz läuft echter Traffic. Das sind also keine Schätzungen und keine Hochrechnungen, das sind eben gezählte Werte — was in dieser Ecke der Branche seltener ist, als es sein sollte.

Juli 2025: Gelesenwerden und Besuchtwerden sind zwei Dinge

So standen die vier großen Plattformen im Juli 2025 da:

  • Anthropic: 38.065 zu 1 (38.000 gelesene Seiten, ein Besucher zurück)
  • OpenAI: 1.091 zu 1
  • Perplexity: 195 zu 1
  • Google: 5,4 zu 1

Das sind nicht vier verschiedene Zahlen, das sind vier verschiedene Größenordnungen. Google, die klassische Suchmaschine in der Runde, liest rund fünf Seiten pro Person, die es dir schickt. Anthropic liest halt eine halbe Bibliothek.

Von einer KI gelesen zu werden und Besuch zu bekommen sind inzwischen zwei getrennte Ereignisse.

Heißt, dein Content kann in gewaltigem Umfang konsumiert werden und trotzdem so gut wie nichts erzeugen, was dein Dashboard als Traffic kennt.

Anthropic hat den Abstand in sechs Monaten um 86,7 % gedrückt

Fairerweise: So war das nicht immer, und die Richtung stimmt.

Im Januar 2025 lag das Verhältnis noch bei 286.930 zu 1. Im Juli waren es 38.065 zu 1 — 86,7 % weniger in einem halben Jahr. Als Grund gilt, dass Websuche dazukam und Quellen direkt in den Antworten zitiert werden.

Trotzdem: 38.000 zu 1, nach all dem. Eine ganze Bibliothek durchlesen und auf dem Heimweg kein einziges Buch ausleihen.

Perplexity ging dabei genau andersrum, von 54 zu 1 hoch auf 195 zu 1 — also mehr Crawling pro Besucher, nicht weniger. Die Plattformen laufen hier eh nicht auf eine gemeinsame Linie zu. Wie viel eine davon zurückgibt, ist eine Entscheidung, und die fällt jede anders.

Die 20 % weniger Suchanfragen: dieselbe Geschichte von der anderen Seite

Aber vielleicht ist das Ganze nur ein Artefakt davon, wie sich Bots ausweisen? Gut — dann prüfen wir es von der Empfängerseite.

Ein Team der London Business School und der UCLA hat 2.014 Haushalte und rund 1,2 Millionen Seitenaufrufe ausgewertet (die Studie).

Und was kam raus? Haushalte, die anfingen, ChatGPT zu nutzen, senkten ihr klassisches Suchvolumen innerhalb von zwanzig Wochen um über 20 %. Am stärksten brachen die Frage-Suchen ein, das „wie mache ich eigentlich …”. Kleinere Websites traf es am härtesten.

Eine Kategorie bewegte sich dagegen kaum: die Suche nach einem konkreten Markennamen.

Das ist wohl der nützlichste Satz aus beiden Studien. Was die KI mitnimmt, ist das vage Herumstöbern — nicht den, der deinen Namen schon kennt und genau zu dir will.

Fazit: Bau dir eine Spalte für „wie liest mich die KI”

Zusammengefasst: Die KI liest deine Inhalte in einem Umfang, den dein Zugriffslog kaum verdaut, schickt fast niemanden zurück, und darunter schrumpft das gesamte Suchvolumen um über 20 %. Wer nur auf die Besucherzahl schaut, bekommt diesen ganzen Umbruch als „hm, Traffic ist grad ein bisschen mau” serviert.

Die Antwort wäre also eine zusätzliche Spalte, keine Panik. Zähl weiter Besuche, die zahlen ja die Rechnungen. Aber nimm dazu, was vor dem Besuch passiert: wie die Modelle dich lesen, wie sie dich beschreiben und welche Quellen sie zitieren, wenn dein Thema drankommt. Warum sich das lohnt, steht im Markensuche-Befund: Die Bekanntheit des Namens hat den Umbruch überlebt, das generische Entdecken nicht.

Der billigste Einstieg: Stell ChatGPT und Claude ein paar Fragen zu deiner Kategorie, notier dir, wie du vorgestellt wirst und welche Seiten als Quelle auftauchen, und mach das nächsten Monat nochmal. Dann leg das neben den Referral-Report — mit demselben Gewicht.

Miss, wie über dich geredet wird, bevor du entscheidest, ob KI-Sichtbarkeit sich lohnt. Die Zahlen sind ja nicht in Stein gemeißelt, Anthropic hat sich in sechs Monaten um 86,7 % bewegt. Die Spalte für das, was vor dem Besuch passiert, bleibt trotzdem nützlich.


Quellen

  • Cloudflare (2025), „The crawl-to-click gap: Cloudflare data on AI bots, training, and referrals”, blog.cloudflare.com
  • Lambrecht, A., Padilla, N. (London Business School) & Lam, H.T., Hollenbeck, B. (UCLA) (2026), „The Impact of LLM Adoption on Online User Behavior”, london.edu
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