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Sechs von zehn holen sich Infos bei der KI — und trotzdem entscheidet der Markenname

POINT Kernpunkte
  • KI-Nutzung sprang in einem Jahr von 40 auf 61 Prozent
  • Beim Gegenchecken landen die Leute wieder bei bekannten Marken

„Lies halt die KI-Zusammenfassung” — inzwischen mein ganzer Morgen

In letzter Zeit kommen Nachrichten vorgekaut an. Report ins Chatfenster kopieren, drei Zeilen anfordern, das Original nur öffnen, wenn irgendwas komisch klingt.

Mach ich ständig. Bei langen PDFs sowieso.

Nur: Direkt danach meldet sich so eine kleine Stimme. Wie viel davon glaub ich eigentlich?

Nachzuprüfen, ob die Quelle stimmt — oder ob das Modell ein bisschen aufgehübscht hat — kostet am Ende mehr Zeit, als die Zusammenfassung eingespart hat.

Und dieses „praktisch, aber nicht ganz geheuer” ist offenbar nicht nur meins. Das steht in Konsumentendaten aus Dutzenden Ländern. Und es zeigt auf eine ziemlich konkrete Stelle: auf deinen Markennamen.

Schauen wir uns dazu drei Umfragen an — Reuters, Edelman, Gartner.

Wie viele Leute sind wirklich auf KI umgestiegen?

Ausgangspunkt ist das Reuters Institute der Universität Oxford mit dem “Digital News Report 2025”, erschienen im Juni 2025. Eine weltweite Erhebung, die Jahr für Jahr verfolgt, wie Menschen Informationen konsumieren.

Und was kam raus? Bei generativer KI ging es steil nach oben:

  • Schon mal genutzt: von 40 auf 61 Prozent
  • Mindestens wöchentlich genutzt: von 18 auf 34 Prozent

Heißt, in einem Jahr rutschte die Welt von „hab ich mal angetippt” zu „gehört zu meiner Woche”. Bei Nachrichten steht die Zusammenfassung von Artikeln mit 27 Prozent ganz oben auf der Wunschliste, vor Übersetzung (24 Prozent) und besseren Empfehlungen (21 Prozent).

Und genau da kommt der Knick.

Praktisch ja. Vertrauenswürdig eher nicht.

Dieselbe Reuters-Erhebung hat auch gefragt, was die Leute von KI-gemachten Nachrichten halten. Die Antworten ziehen in zwei Richtungen gleichzeitig.

KI-Nachrichten gelten als billiger produzierbar (+29) und schneller verfügbar (+16). Soweit unstrittig. Aber bei allem, was darüber entscheidet, ob man danach handelt, kippt die Bewertung ins Minus: weniger transparent (-8), weniger genau (-8) — und beim Vertrauen -18.

Sprich: Billig und schnell ist die KI-Nachricht schon. Nur glaubt ihr keiner.

Die Leute nehmen KI als Werkzeug an und beäugen sie als Quelle.

Wohlgemerkt, der für Marketer entscheidende Satz kommt jetzt. Reuters hält fest: Vertrauenswürdige Nachrichtenmarken funktionieren als wichtigstes Mittel zum Faktencheck. Je mehr KI-Material herumschwimmt, desto öfter hält jemand kurz inne und fragt: „Moment, wer sagt das eigentlich?” Und geantwortet wird mit einem Namen, dem man schon vertraut.

Vertrauen spaltet sich daran, ob man KI mal benutzt hat

Der “Trust Barometer” von Edelman, veröffentlicht im Januar 2026, schaut sich denselben Riss von einer anderen Seite an: 28 Länder, rund 34.000 Befragte.

Das Vertrauen in KI liegt in den USA bei 32 Prozent. Generative-KI-Plattformen schafften es sogar in die Top 5 der Ereignisse, die in den letzten fünf Jahren Vertrauen zerstört haben — 37 Prozent nannten sie.

Aber jetzt wird’s interessant. Zwischen Leuten, die KI schon genutzt haben, und Leuten, die das nicht haben, klaffen beim Vertrauen 26 bis 46 Punkte. Wer sie angefasst hat, vertraut ihr mehr.

Heißt umgekehrt: Die Schicht, die sie noch nie angefasst hat, ist immer noch dick.

„Misstrauen gegen KI” ist als Sammelbegriff also ziemlich grob. Denn da sitzen zwei Publika, und eine Botschaft erreicht die nicht beide.

Die Hälfte bevorzugt Marken, die auf KI verzichten

Und jetzt die Umfrage, die am nächsten am Tagesgeschäft liegt. Gartner hat im März 2026 eine Befragung von 1.539 US-Konsumenten veröffentlicht, und die Kernzahl hat Wucht: 50 Prozent bevorzugen Marken, die in kundengerichteten Botschaften, Anzeigen und Inhalten keine generative KI einsetzen.

Das Verhalten darunter sagt genauso viel:

  • 61 Prozent zweifeln häufig daran, ob die Informationen für ihre Alltagsentscheidungen verlässlich sind
  • 68 Prozent zweifeln häufig daran, ob die Inhalte vor ihnen echt sind

Und Ende 2025 entscheiden nur noch 27 Prozent aus dem Bauch heraus, ob etwas stimmt. Die Leute haben aufgehört, ihrem Gefühl zu trauen, und fangen an nachzuprüfen.

Das ist übrigens keine Totalablehnung. Eine andere Untersuchung von BCG kommt darauf, dass über 60 Prozent generativer KI hohes Vertrauen aussprechen.

Dem Werkzeug traut man. Der Markenstimme mit KI drin traut man nicht.

Fazit: KI-Einsatz ist keine Frage von verstecken oder plakatieren, sondern von Vertrauen

Legt man die drei Umfragen nebeneinander, wird das Bild ziemlich deutlich. Sehr viel mehr Menschen begegnen Informationen inzwischen über KI. Das Vertrauen in KI-Erzeugtes bleibt niedrig, also sucht man nach dem Ursprung.

Und je weiter sich KI ausbreitet, desto häufiger muss die Antwort auf „wer sagt das?” ein bekannter Name sein. Was, ein bisschen paradox, das beste Argument dafür ist, dass die Modelle deine Marke überhaupt nennen können.

Für Marketing- und Brand-Verantwortliche steht damit keine Regel zur Kennzeichnung im Raum. Sondern: KI-Einsatz gestaltet man als Vertrauensfrage.

Den KI-Einsatz still verstecken ist schlecht. Ihn als „jetzt mit KI!” vor sich hertragen aber auch. Die Hälfte der Konsumenten ist bei KI-durchsetzter Kommunikation skeptisch, und die Gruppe „ausprobiert und überzeugt” hört denselben Satz anders als die Gruppe „auf Abstand”. Entscheidend ist nicht benutzen oder verstecken — sondern ob beim Leser ankommt, wer für die Aussage geradesteht.

Was konkret hilft: Halte alles, was mit KI entsteht, nachprüfbar — Primärquelle benennen, verantwortliche Prüfung benennen. Und schau in festen Abständen nach, was ChatGPT und Co. über deine Marke sagen, wenn jemand fragt.

Das ist der Kontext, in dem dein Name auftaucht. Laut diesen Umfragen suchen die Leute inzwischen genau danach. Wer wissen will, wo die eigenen Kunden stehen, liest die Reports von Reuters, Edelman und Gartner am besten im Original.

Je mehr KI zur Eingangstür für Informationen wird, desto stärker entscheidet am Ende das unspektakuläre Guthaben „dieser Marke glaub ich”. Und genau das kannst du keinem Modell überlassen.


Quellen

  • Reuters Institute for the Study of Journalism (2025), „Digital News Report 2025”, reutersinstitute.politics.ox.ac.uk
  • Edelman Trust Institute (2026), „2026 Edelman Trust Barometer”, edelman.com
  • Gartner (2026), „Gartner Marketing Survey Finds 50% of Consumers Prefer Brands That Avoid Using GenAI in Consumer-Facing Content”, gartner.com
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